Integration in der Pfadi – Just Do It!

Den Begriff Integration kennt wohl jede*r, doch lange nicht alle haben sich schon länger damit auseinandergesetzt. Der Duden definiert den Begriff als «Eingliederung in ein grösseres Ganzes» oder «die Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit». Doch nicht die linguistische Bedeutung hat mich bewegt, diesen Artikel zu schreiben, sondern die Bedeutung, die Integration in der Pfadi hat.

Von Luce / Aline Flückiger, Sekretärin Scout Windrösli

Für die Pfadibewegung Schweiz (PBS) ist es wichtig, dass alle Kinder unabhängig von Nationalität, Konfession oder sozialem Hintergrund in der Pfadi willkommen sind. Diese Vielfalt stand beim Corps Windrösli am 16. März im Fokus, als alle Abteilungen beim nationalen Pfadischnuppertag mitmachten. Das Corps Windrösli kann jedoch nicht ganz alle Bedürfnisse erfüllen.

Pfadiabteilungen für Menschen mit Behinderung oder Asylsuchende gibt es im Corps Windrösli nicht, dafür aber in vielen anderen Teilen der Schweiz. Ich hatte die Möglichkeit, mit zwei Pfadileitern zu sprechen, die sicherstellen, dass wirklich alle Menschen in der Schweizer Pfadi integriert werden können.

Chilli/Ramona Keusen ist zuständig für Pfasyl Bern und Twix/Adrian Murbach ist PTA(Pfadi Trotz Allem)-Verantwortlicher der PBS. Beide sind sich einig, dass Integration schwierig zu definieren sei, es wird jedoch im Team und bei Weiterbildungen auf Pfadiebene oft darüber diskutiert. Wichtig ist, dass jede*r mitmachen kann und jede*r als Individuum in einer Gruppe akzeptiert wird.

Pfasyl baut Brücken zwischen dem Schweizer Vereinswesen und neuankommenden Familien. Neben der integrativen Rolle schafft Pfasyl einen Raum zum Kindsein. Die PTA gibt ausserdem allen die Möglichkeit, Pfadiaktivitäten zu erleben. Bei ihnen kann jede*r einmal das stärkste Glied einer Gesellschaft sein. Beide erachten Pfadierlebnisse als wichtigen Bestandteil von Integration, da man in der Pfadi «einfach sich selbst sein kann».

Pfadi durchbricht festgefahrene Strukturen und erlaubt allen die Freude an der Natur, die Möglichkeit, Abenteuer zu erleben und auch sich selbst besser kennenzulernen. Die Erfolgserlebnisse helfen den Kindern ein gesundes Selbstvertrauen auch ausserhalb der Pfadi zu entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Natürlich gibt es Herausforderungen beim Versuch der Integration, z. B. Sprachbarrieren oder die individuellen Familiengeschichten.

Beide Parteien sind sich jedoch einig, dass es sich lohnt, etwas zu wagen, denn die Kinder schenken einem immer wieder freudvolle Momente. Aufgefallen ist ihnen auch, dass einigen Pfadileitern manchmal etwas der Mut für Neues fehlt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man am besten einfach etwas versucht und nicht alles im Vornherein hinterfragt. So entstanden etwa wunderschöne Schlittelerinnerungen oder köstliche, mit viel Liebe zubereitete Suppen.

Nicht nur Pfadileiter*innen, sondern auch die Gesellschaft sollte sich bewusst sein, dass das Zweifeln an Fähigkeiten Integration oft schwieriger macht, als sie sein müsste. Beide sind sich einig, dass der Pfadigedanke Integration in der Pfadi sowie in der Gesellschaft unterstützt. Für andere Abteilungen, Vereine und Privatpersonen, die sich näher mit Integration beschäftigen möchten, haben sie etwas Wichtiges gelernt: Einfach machen!


Infos:

www.windroesli.ch

PTA (Pfadi Trotz Allem)
Die PTA unterstützt alle Kinder, egal ob im Rollstuhl oder mit Downsyndrom, beim Erleben von spannenden Pfadiaktivitäten. An Samstagnachmittagen, Lagern oder Weekends wird gemeinsam mit Freunden in Geschichten eingetaucht und die Welt entdeckt. Für weitere Informationen oder falls du auch mal bei einer Aktivität mitmachen willst: www.scout.ch (Rubriken «Das ist Pfadi», «Altersstufen, PTA»)

Pfasyl Bern
Jeden zweiten Sonntagnachmittag erleben die Pfadileiter*innen mit den Kindern und Jugendlichen aus der Kollektivunterkunft «Sandwürfi» in Köniz abenteuerreiche Pfadinachmittage. Die Integration in unsere Kultur wird mit dem Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglicht und die Weiterreise in die verschiedenen Gemeinden und die lokalen Pfadiabteilungen wird unterstützt. Weitere Infos und Spendemöglichkeit: www.pfasyl.ch/köniz-be

 

 

20. März 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 7
  • Pfarrblatt / Angelus
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