Der Moderator und Sachbuchautor Bill Nye hat einmal gesagt: «Jeder, den du jemals treffen wirst, weiss etwas, was du nicht weisst.» Foto: saskiafranzen / photocase.de

Jene, die irgendwie «anders» sind, machen Angst

Freidenker-Vereinigung will christliche Feiertage durch Freitage ersetzen

Wie die Aargauer Zeitung berichtete, will die Freidenker-Vereinigung der Schweiz die christlichen Feiertage abschaffen und durch frei wählbare Ferientage ersetzen. Ein grosser Teil der Bevölkerung wisse ohnehin nicht mehr, was genau an Feiertagen wie Auffahrt oder Pfingsten gefeiert werde, so Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou gegenüber der Aargauer Zeitung. Man könnte sich dabei an den englischen Bank Holidays orientieren. Vorstellbar sei, dass die bestehenden Feiertage frei blieben und schlicht die Definition als religiöse Feiertage wegfielen. Die Feiertage könnten aber auch komplett abgeschafft werden und durch frei wählbare Ferientage ersetz werden, so Kyriacou. 

Vertreter von Politik und Kirche sehen darin allerdings eine Gefahr. Gerade in der heutigen Zeit, wo sich Menschen vermehrt auf die christliche Kultur in der Schweiz besinnen wollten, sei es falsch, Feiertage abzuschaffen, meint beispielsweise Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP Nationalrätin. Aber die Kirche stellt fest: «Wenn der christliche Glaube an die Offenbarung des Sohnes Gottes immer mehr verdunstet, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Festtage verschwinden oder umbenannt werden», sagte der Bischofssprecher Giuseppe Garcia zur «Aargauer Zeitung». Theo Wehner, Arbeitspsychologe an der ETH Zürich, sieht den Diskurs um die sogenannte abendländische Kultur zwar als übertrieben an. Allerdings es wahrscheinlich vielen Menschen unangenehm, christliche Feiertage abzuschaffen, «gerade in der heutigen Zeit, wo allenthalben von den europäischen Werten, die ihren Ursprung im Christentum hätten, geschwafelt wird.» Und: Die Abschaffung von traditionellen Feiertagen sei «ein grosser Verlust für jede Kultur».

 

Offenheit gegenüber dem «Fremden»?

Das Bundesamt für Statistik gab eine neue Zahl bekannt: 36% der SchweizerInnen geben einem Bericht zufolge an, sich von Menschen, die «anders» seien, - in erster Linie in Bezug auf Nationalität, Hautfarbe oder Religion - gestört zu fühlen. 

Generell sei die Bevölkerung aber nicht fremdenfeindlicher geworden. 66% der SchweizerInnen betrachten Rassismus als ein ernstzunehmendes Problem in der Gesellschaft und die Mehrheit findet, dass ImmigrantInnen mehr Rechte erhalten sollten. 

Der Herausforderung des Umgangs mit Menschen, die «anders» sind, stellt sich unter anderem die Dienststelle für Migrationspastoral der Schweizerischen Bischofskonferenz. Diese hat seit neustem einen neuen Nationaldirektor - welcher deutlich die Wichtigkeit von MigrantInnen für die katholischen Gemeinden in der Schweiz hervorhebt. Lesen Sie dazu den Artikel des «pfarrblatts».

 

«Homosexuelle Seelsorger in der Kirche haben Angst»

Das meint der Sprecher des Vereins Adamim (Verein von schwulen Männern im kirchlichen Dienst), Bruno Fluder, am internationalen Coming Out Day, dem 11. Oktober. Homosexuelle hätten es schwer, in der Kirche eine Anstellung zu finden, falls sie ihre Sexualität offen kommunizieren - und würden dies deswegen oft nicht tun. Aber nicht nur schwule Personen seien davon betroffen, sondern generell Menschen, welche der Sexualmoral der Kirche nicht entsprächen, so Fluder gegenüber kath.ch. Das sei bedenklich, werde doch so die Sexualmoral stärker gewichtet als die Seelsorgeaufgabe. 

Anlässlich des Coming Out Day habe er sich gewünscht, dass die rund 50 Mitglieder von Adamim mit ihrer sexuellen Ausrichtung an die Öffentlichkeit gingen, was aber nicht passiert sei. Die Kirche habe sich in den letzten 20 Jahren nicht bewegt, und die betroffenen Personen würden sich deswegen nach wie vor mit ihrer Situation der «Geheimnistuerei» abfinden - aus freien Stücken oder notgedrungen. 

Seit dem 2. Vatikanischen Konzil rede die Kirche zwar über Homo-, Trans- oder Intersexualität. Sie tue sich aber trotzdem sehr schwer damit: auch intern. Die «Regenbogenpastoral» beispielsweise des Bistums Basel richte sich in erster Linie an aussenstehende Kirchenmitglieder und ändere nichts an den Anstellungsbedingungen der Kirche, so der Adamim-Sprecher. Das schrecke zahlreiche Personen ab, welche sich eigentlich zum Dienst in der Kirche berufen und befähigt fühlten. Man müsse sich fragen, ob das ein Preis sei, den die Kirche zu zahlen bereit sei.

Redaktion: Sebastian Schafer (sch)

12. Oktober 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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