Christus Pantokrator in der Apsis der Kathedrale von Cefalù auf Sizilien. Mosaik im byzantinischen Stil. Foto: wikimedia commons

Jesusbild, das –

Herr Jesses, Christkind, unser liebes Jesulein: Der Volksmund kennt zahllose Namen und Darstellungen des Gottessohns. Die Unterschiede sind frappant.

Im Religionsunterricht hörten wir die Geschichten vom bärtigen, besandalten Jesus auf Wanderschaft oder vom hilflosen Kind in der Krippe. Daneben findet man, häufig in Form von Ikonen, das Bild Christi als Weltenherrscher – den Pantokrator. Manchmal mit Krone, Zepter, goldenem Umhang. Wie passt das zum bescheidenen Zimmermannssohn?

Die klassische Darstellung des langhaarigen Mannes in brauner Kutte und Sandalen findet ihre Wurzeln in der frühchristlichen Zeit um das 6. Jh., in einem semitischen Darstellungstypus – sie darf also als relativ nah am Original angesehen werden.

Später macht Christus diverse kulturelle Prägungen durch. In der Renaissance liegt der Fokus auf dem Leiden Jesu – er ist nun meist ausgemergelt, verhärmt. Die Kleidung bleibt, aber der Gottessohn wird weissgewaschen. Ende 19. Jh. vergeht sich der Rassenwahn am Jesusbild. Pseudohistoriker unterscheiden zwischen religiösem und rassischem Judentum. Jesus war für die Antisemit*innenen selbstverständlich Arier, aus einem ursprünglich germanischen Völkerstamm. Zu diesen absurden Genealogien kam in der Folge der American Jesus – der kitschige, gutaussehende Jüngling, der in den US-evangelikalen Kirchen hängt.

All diese Jesusbilder haben wenig zu tun mit dem ikonografischen Typus, den wir eingangs erwähnt haben. Christus Pantokrator: In der linken Hand ein Evangelienbuch, mit der Rechten den Betrachter segnend, in rotem Gewand. Die Darstellung soll Christus als Lehrer und Herrscher betonen – quasi nicht seine menschliche Seite, sondern seine göttliche. Womit wir beim zentralen Problem sämtlicher Jesusdarstellungen wären: Was ist es eigentlich, das wir darstellen wollen? Der Jesus, der in Kanaan ein Hochzeitsfest besucht, ist nicht der thronende Herrscher des Weltalls – und eben doch. Jesus ist mehr als ein Mensch – und ganz sicher mehr, als in einem Bild zu sehen ist.

Sebastian Schafer

«katholisch kompakt» im Überblick

30. April 2019
erstellt von «pfarrblatt Nr. 10»
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