Die Familien Biden (rechts) und jene der Vizepräsidentin Kamala Harris (links) im Gottesdienst.

Joe Bidens Antrittspredigt

In Washington ist Joseph «Joe» Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt worden. Seine Antrittsrede hatte Charakterzüge einer Predigt.

Von Andreas Krummenacher

In der traditionellen Antrittsrede sprach sich Joe Biden (78) für Einigkeit aus, für Ausgleich, für das Überwinden der Gräben, für Demokratie, gegen Rassismus und gegen die Lüge. Amerika brauche Heilung. Die Geschichte, der Glaube und die Vernunft würden helfen, diese zu erlangen. Er möchte die Herzen öffnen und Demut zeigen. Joe Biden forderte dazu auf, einander mit Respekt zu begegnen und die Hände zu reichen.

Mit Augustinus ins Präsidentenamt

Einigkeit bedeute nicht, dass alle gleicher Meinung seien. Unterschiedliche Ansichten, der freie Austausch der Argumente sei essentiell für die Demokratie. Joe Biden bekräftige das mit einem Zitat des Heiligen Augustinus: «Vor vielen Jahrhunderten schrieb der heilige Augustinus, ein Heiliger in meiner Kirche, dass ein Volk eine Menge sei, die durch die gemeinsamen Objekte seiner Liebe definiert werde.»

Bidens Zitat stammt aus dem Werk «Vom Gottesstaat (De civitate Dei contra Paganos). Augustinus von Hippo, geschrieben im 5. Jahrhundert, erzählt darin die politische Geschichte als christliche Heilsgeschichte. Wörtlich schreibt dieser im Buch 19: «Ein Volk ist die Vereinigung einer vernünftigen Menge, geeint durch einträchtige und allgemeine Teilnahme an Dingen, die sie schätzt.»

Grosse Worte und ein stilles Gebet

Joe Biden sprach im Verlauf seiner Rede sehr viel von Heilung, von Demut, von Liebe, vom Glauben, von Anstand und Würde. Der zweite katholischen Präsident der USA, nach John F. Kennedy, war sehr emotional. Ein politisches Programm skizzierte er nicht.

Für die Opfer der Corona-Pandemie bat der neue US-Präsident um ein stilles Gebet, das er selbst mit einem Amen abschloss. Zum Schluss bekräftige er, er sei entschlossen Lösungen zu finden, «wenden wir uns den Aufgaben unserer Zeit zu, vom Glauben getragen, von Überzeugung getrieben, einander und dem Land, das wir von ganzem Herzen lieben, zugetan.»

Eucharistiefeier am Morgen

Die Inauguration des neuen Präsidenten fand gegen Abend statt. Noch am Morgen besuchte die Familie Biden eine Eucharistiefeier. Das teilte der öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radiosender NPR mit. Anwesend waren offenbar vor allem Familienmitglieder aber auch Vizepräsidentin Kamala Harris und die Spitzen des Parlaments, darunter Demokraten und Republikaner.

Die Messe fand in der Kathedrale «St. Matthew the Apostle» in Washington statt und wurde von Kevin O'Brien, Präsident der katholischen Santa-Clara-Universität, zelebriert. Er sei ein Freund der Bidens und habe eine sehr persönliche Predigt auf den besonderen Tag gehalten, so NPR.

Laut dem Fernsehsender NBCNews besuchen die gewählten Präsidenten häufig einen Gottesdienst, bevor sie vereidigt werden. Meistens würde dafür aber die St. John's Episcopal Church ausgewählt. NBC schreibt auf seiner Webseite ausserdem, die Abstandsregeln wegen der Coronapandemie seien streng eingehalten worden.

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21. Januar 2021
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus