Für Seelan Arockiam sind Identität und Integration gleichermassen wichtig. Foto: Pia Neuenschwander

Seelan Arockiam, Sekretär der tamilisch-katholischen Mission der Schweiz. Foto: Pia Neuenschwander

Pfarrer Douglas Milton Logu Soosaithasan kümmert sich um die tamilisch-katholische Mission. Foto: zVg.

Pfarrer Douglas Milton Logu Soosaithasan. Foto: zVg.

Katholisch Bern auf Tamilisch

Seelan Arockiam kennt katholisch Bern wie seine Westentasche. Er ist Sakristan in der Pfarrei St. Michael in Wabern und Sekretär der tamilisch-katholischen Mission der Schweiz. Diese feiert dieses Jahr ihr 25. Jubiläum.

Text: Anouk Hiedl

Als junger Mann war Seelan Arockiam Lehrer im Norden Sri Lankas. 1983 brach der Bürgerkrieg aus und er flüchtete 1990 in die Schweiz. Hier arbeitete er zuerst als Küchenhilfe, lernte daneben intensiv Deutsch und bildete sich berufsbegleitend weiter. Mittlerweile lebt er seit 30 Jahren mit seiner Familie in Bern. Er ist seit 2014 Sakristan in den Pfarrei St. Michael in Wabern, und engagiert sich seit mehreren Jahren als Freiwilliger für die tamilisch-katholische Mission im Kanton Bern und der Schweiz.

Seit Mitte der 1970er haben viele von Seelan Arockiams Landsleuten Sri Lanka verlassen. Heute finden sich die grössten tamilischen Gemeinschaften ausserhalb Südasiens in Kanada, Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Grossbritannien, Frankreich und in der Schweiz. «Am Anfang gingen wir in die deutsch- oder französischsprachigen Gottesdienste unserer Pfarreien. Wenn uns angehende tamilische Priester aus Rom besuchten, konnten wir sporadisch einen katholischen Gottesdienst in unserer Sprache feiern», erinnert sich Seelan Arockiam. «Die tamilische Gemeinschaft hier wuchs, und wir wünschten uns einen eigenen Priester. Ende 1995 gab die Schweizerische Bischofskonferenz grünes Licht dafür. So kam im Auftrag der sri-lankischen Bischofskonferenz Pater Viktor Avithappar als erster tamilischer Missionar für fünf Jahre in die Schweiz.» Die Mission nahm am 20. Januar 1996 offiziell ihren Anfang. «In Bern feierten wir erst in der Pfarrei Dreifaltigkeit und dann bei der Spanischen Mission in Ostermundigen. Seit 2006 sind wir in den beiden Pfarreien St. Michael in Wabern und St. Josef in Köniz zu Hause.»

Seit 2017 kümmert sich Pfarrer Douglas Milton Logu Soosaithasan um die tamilisch-katholische Mission der Schweiz. (Foto: zVg) An insgesamt 17 grösseren Orten feiert und betet die tamilische Gemeinschaft regelmässig zusammen, zum Beispiel in Basel, Lausanne, Luzern, Solothurn und Zürich. «Pater Douglas besucht uns alle», sagt Seelan Arockiam. Für Gottesdienste komme der Missionar an zwei Sonntagen pro Monat nach Wabern und Köniz, für Sakramente, Hausbesuche, Seelsorgegespräche und weitere Anliegen zusätzlich. Schweizweit umfasst die tamilisch-katholische Mission mittlerweile 1550 Familien, in Bern rund 290 Familien. «Wir sind unserer Sprache und Kultur wegen dabei. Gleichzeitig integrieren wir uns auch in unserer deutsch- oder französischsprachigen Pfarrei.»

Wie stehen tamilische Katholik*innen und Hindus in der Schweiz zueinander? «Wir teilen das Leben miteinander, tauschen uns aus und respektieren uns. Dabei behalten wir unsere jeweilige religiöse Identität. Unsere Kultur ist dieselbe, unser Glaube ist es nicht. So besuchen wir unsere Gottesdienste gegenseitig nicht, laden einander aber zu unseren kulturellen Anlässen ein. An unseren Weihnachtsfeiern sind immer auch Hindupriester dabei.»

Die Namenstage der Kirchenpatrone sind für Tamil*innen «immer ein grosses Fest». Im Raum Bern ist dies St. Josef. Am Samstag vor Palmsonntag und zum Fest der Schwarzen Madonna im Juni kommen tamilische Katholik*innen aus der ganzen Schweiz in Einsiedeln zusammen. «Dort tragen wir Maria in einer grossen Prozession in die Kathedrale, um sie und uns segnen zu lassen.» Auch am sri-lankischen Wallfahrtsort Madhu steht eine Marienkirche. Diese sei Tamil*innen und Singales*innen gleichermassen wichtig. «Zu Maria Himmelfahrt versammeln sich dort jeweils rund 700'000 Gläubige aus dem ganzen Land – in Erinnerung daran treffen wir uns Mitte August mit bis zu 2500 Christen und Hindus in Mariastein. Wir sind dem Abt und dem Kloster sehr dankbar, dieses Fest seit über 20 Jahren dort feiern zu dürfen.»

Der Startschuss zum 25. Jubiläum der tamilisch-katholischen Mission fiel am 19. Dezember 2020 in Schinznach. 50 Personen waren vor Ort, unter anderem zehn Ehepaare, die ihre Silberne Hochzeit feierten, während die tamilische Gemeinschaft den Anlass schweizweit per Streaming mitverfolgte. Weitere Feierlichkeiten sind geplant, etwa das grosse Jubiläumsfest am 11. September 2021 in Olten – so Gott und Corona wollen.



Haben Sie Fragen?
Seelan Arockiam informiert Sie gerne genauer über die tamilisch-katholische Mission: 079 963 70 60,
seelan.arockiam(at)kathbern.ch. Die Mission freut sich über Ihr Interesse und über Spenden zum 25-jährigen Jubiläum: Tamilisch-katholische Seelsorge in Basel, 4000 Basel. UBS Switzerland AG, 8098 Zürich, IBAN: CH31 0023 3233 1411 3241 K.


10. Februar 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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