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Kollekte, die –

Buchstäblich so sicher wie das Amen in der Kirche ist die sonntägliche Reise des Klingelbeutels quer durch die Gemeinde. Pflichtbewusst entrichtet man seinen Obolus, im Gewissen, eine gute Abgabe geleistet zu haben.

Die Ursprünge dieses Opfers reichen zurück bis zu den ersten Christ*innen. Paulus gibt in seinen Briefen Anweisungen, wie Geldgaben gesammelt und verteilt werden sollen. Auch wurden Opfergaben gespendet, die rituell zum Altar gebracht und anschliessend unter den Bedürftigen verteilt wurden. Auch die Kollekte wird heute noch zum Altar gebracht – von den Ministrant*innen zwar, aber sinnbildlich dafür, wie die Gläubigen ihr Opfer darbringen.

Diese Idee des Sorgens für Andere entspringt einerseits des Gebots der Nächstenliebe, andererseits des religiösen Motivs des Opfers an sich. Fast alle bekannten Religionen schliessen Opfer ein, die den Göttern dargebracht werden. Im Christentum ist diese Idee verbunden mit der Selbstopferung Jesu, die in der Eucharistie nachvollzogen wird. So wie Brot und Wein als Opfergaben dargebracht werden, bringt die Gemeinde den Geldsäckel dar – sinngemäss. Die Zuwendung, das solidarische Füreinander-Sorgen, wurde mit der Zeit institutionalisiert und delegiert.

Das hat Vorteile, ist effizient und notwendig. Andererseits kritisiert etwa der Theologe Ivan Illich diese «Institutionalisierung der Liebe», die das Sich-Zuwenden, das freiwillige Geben aus Liebe zum Nächsten im Sinne des Samariters obligat machen würden, und ihm so die Dimension nehme, die der Fürsorge eigentlich zugrunde liege. Die Entscheidung, dem Gegenüber zu helfen, wird abgelöst von einer Pflicht, die Fähigkeit zur Nächstenliebe verkümmert. Die Frage, die aufgeworfen wird, ist natürlich gewichtig. Soll Nächstenliebe geordnet, geregelt werden? Natürlich nicht, nichtsdestotrotz braucht es Strukturen, die sich die Gemeinschaft als Ganzes gibt und die das Sorgen füreinander unterstützen und fördern. Und die immer wieder nachfragen: Wer hat sich den Bedürftigen als Nächste*r erwiesen?

Sebastian Schafer

«Katholisch kompakt» im Überblick

5. Februar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 4
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