Anti-Rassismuswoche. Foto: C_Alpenfux-photocase.de

Kopf hoch gegen Rassismus

Endlich hat der Mann eine Temporärstelle gefunden – ein Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit und in die Integration in der Arbeitswelt. Doch seine Arbeitskollegen hänseln ihn, machen ständig Sprüche gegen Schwarze Menschen. Was tun?

Von Sabrina Durante

Es allein gegen eine eingeschworene Gruppe aufzunehmen ist nicht ganz ohne. Ausserdem möchte er nicht seinen Job aufs Spiel setzen. «Gring ache» und durchhalten? Die Bemerkungen sind verletzend, die Situation belastend. Da greift seine Ehefrau zum Telefon und fragt das «gggfon» um Rat.

Hilfe gegen Diskriminierung

«Ggg» steht für «Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» und ist schon seit 20 Jahren im Kanton Bern aktiv – entsprechend viel Erfahrung haben die Berater*innen mit solchen Situationen. «In diesem spezifischen Fall haben wir den Arbeitgeber schriftlich kontaktiert und die Lage geschildert», erinnert sich Giorgio Andreoli, der seit den Anfängen beim «gggfon» dabei ist. «Der Chef zeigte sich betroffen – ihm war nicht bewusst, was für ein Klima in seinem Betrieb herrschte. Und er schritt zur Tat: er suchte das Gespräch mit dem betroffenen Team und sorgte dafür, dass sich die Situation entspannte und sein neuer Mitarbeiter sich nicht länger angegriffen fühlte».

Ein unspektakuläres Beispiel? Keinesfalls, findet Andreoli: «Wir wollen jedem Menschen, der sich bei uns meldet, offen begegnen. Was er/sie erlebt, kann sehr verletzend sein. Genauso wichtig ist es, immer auch das Gespräch mit der Gegenseite zu suchen und so für die Themen Rassismus und Diskriminierung zu sensibilisieren».

«Die Niemanden»

Rassismus und Diskriminierung können viele Gesichter haben – davon wissen auch die Menschenrechtsaktvistinnen Karmen Ramirez Boscan und Paula Vangrieken vom Frauenkollektiv «Las Nadie» (übers. die Niemanden) zu berichten. Sie setzen sich für Frauen mit Migrationshintergrund ein, die aus Nicht-EU-Staaten stammen. Das sind nicht wenige: Seit der Verschärfung des Ausländergesetzes 2005 ist die Heirat oft die einzige Möglichkeit, um in die Schweiz einzureisen und eine Paarbeziehung weiter zu führen. Seither haben sich die binationalen Ehen verdoppelt.

Mittlerweile bilden binationale Paare 43% der Ehen (BFS, 2016), und 31 % der Aufenthaltsgenehmigungen wurden dank der Familienzusammenführung erteilt. Die Integration ist für die Frauen, die ihre Aufenthaltsbewilligung dank der Familienzusammenführung erhalten haben, besonders schwierig: sei es, dass ihre Diplome hierzulande nicht anerkannt werden, sei es, dass sie auch für einen einfachen Sprachkurs die Einwilligung des (Schweizer) Ehepartners benötigen. Wie soll die Integration in eine Gesellschaft gelingen, die Migrantinnen diskriminiert, beobachtet und stigmatisiert?

Aktionswoche in der Stadt Bern

Die beiden Menschenrechtsaktivistinnen und das «gggfon» bieten im Rahmen des Aktionswoche gegen Rassismus am Donnerstag, 25. März zwei Workshops an, in denen sich Interessierte, Betroffene und mögliche Ansprechpersonen mit diesen Fragen beschäftigen und gegenseitig austauschen können. «Die Rolle der Ansprechpersonen in Pfarreien, Kirchgemeinden und Missionen, aber auch andere Anlaufstellen für Menschen, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind, ist sehr wichtig», findet auch Carolina Hutmacher, die bei der Fachstelle für Soziale Arbeit der katholischen Kirche Bern für den Bereich Migration zuständig ist. «Es ist ein zutiefst christliches Anliegen, Menschen zu unterstützen, die es in unserer Gesellschaft schwer haben. Hier spielen die Kirchen schon länger eine zentrale Rolle und sind mit Projekten und Ressourcen aktiv».

 


LUEGE-LOSE-HANDLE:
Workshops am Donnerstag, 25. März, durchgeführt von den Kirchen in Bern und dem «gggfon»

16.00-17.30 Workshop 1 für Beratung und Gemeinwesenarbeit
Zielgruppe: Fachpersonen der sozialen und interkulturellen Arbeit, die in der Beratung oder Gemeinwesenarbeit tätig sind. Themen: Schaffung diskriminierungsfreier Räume, professionellen Begleitung von Personen, die eine rassistische Erfahrung machen mussten.

18.00-19.00 Workshop 2 für alle Interessierten

Zielgruppe: Personen, die durch ihre berufliche oder freiwillige Tätigkeit potentielle Ansprechpersonen für Menschen mit Rassismus-Erfahrung sind. Themen: strukturelle Hindernisse und Handlungsmöglichkeiten für Rassismus-Betroffene und solche, die Betroffene unterstützen wollen

Die Workshops finden online statt und sind kostenlos. Anmeldung über www.kathbern.ch/aktionswoche

18. März 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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