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Markus Stalder übernimmt eine neue Aufgabe in der Landeskirche des Kantons Bern. Foto: Niklaus Baschung

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NACH VIER JAHREN IN BIEL NIMMT PASTORALRAUMLEITER MARKUS STALDER BEI DER RÖM.-KATH. LANDESKIRCHE DES KANTONS BERN EINE NEUE AUFGABE WAHR.

Am 1. August übernehmen Sie die Leitung der neu geschaffenen Fachstelle „Pastorale Bereiche“ der Landeskirche des Kantons Bern. Was genau ist Ihre Aufgabe?

Markus Stalder: Eine Hauptaufgabe ist sicherlich der Aufbau der Fachstelle an sich, so dass die Fachstelle «Pastorale Bereiche» in ihrem Wirken Dienstleiterin für die Pfarreien sein kann. Konkret: Eines der Dossiers, welches über meinen Tisch gehen wird, betrifft Fragen rund um die Spitalseelsorge im ganzen Kanton. Ein weiteres Dossier ist die Betreuung des auf Landeskirchenebene neu geschaffenen Fonds zur Unterstützung regionaler Diakonieprojekte.

Was motiviert Sie in dieser neuen Aufgabe?

Mich motiviert die Möglichkeit, dass ich auf dem Hintergrund meinem pastoralen Erfahrungen und dem vorhandenen Netzwerk zu meinen Kolleginnen und Kollegen in die Pfarreien, am Aufbau einer neu geschaffenen Stelle mitwirken kann. Sie steht im Dienste der pastoralen Arbeit vor Ort.

Sie verlassen umgekehrt die Kirche in Biel bereits nach vier Jahren –hat Sie die Arbeit hier zermürbt?

Zermürbt hat mich die Arbeit nicht, wenngleich die Gemeinde- und Pastoralraumleitung eine anspruchsvolle Tätigkeit ist. Ich verlasse die Kirche Biel auch nicht einfach. Zum einen bleibe ich mit meiner Familie in Biel wohnen und bin insofern nach wie vor ein Pfarrkind von St. Maria. Zum anderen steht meine Arbeit an der Fachstelle auch im Dienste der Kirche Biel, beispielsweise gerade im Hinblick auf die Spitalseelsorge, zumal in Biel ein öffentliches und ein Privatspital angesiedelt sind. Auf anderer Ebene werde ich also nach wie vor für die Kirche in unserer Stadt tätig sein.

Sie haben viel geleistet in diesen vier Jahren. So wurden die Strukturen des Pastoralraums Biel-Pieterlen weiterentwickelt. Weshalb ist dies für den Pastoralraum wichtig?

Es geht nicht primär um Strukturen. Die Grundfrage ist: Welche Strukturen dienen uns auf dem Hintergrund der gegebenen Möglichkeiten am besten, um den pastoralen Auftrag wahrnehmen zu können? Welche Strukturen können bei den vorhandenen personellen Ressourcen die pastorale Arbeit am besten stützen? Strukturen sollen im Dienste der Sache stehen. In regelmässigen Abständen werden sie immer wieder überprüft und auf die sich verändernden Umstände angepasst.

Aus Spargründen musste die deutschsprachige Fachstelle „Bildung“ geschlossen werden. Fehlen da nicht wichtige Vernetzungen der Kirche in der Öffentlichkeit, die wir dringend benötigen?

Vernetzungsarbeit ist eine wichtige Aufgabe, welche wir nach wie vor wahrnehmen. So sind unsere kirchlichen Sozialarbeiterinnen vernetzt mit den staatlichen Sozialdiensten und ebenso vernetzt in der ökumenischen Zusammenarbeit. Wir sind vernetzt im interreligiösen Gespräch, was ich gerade in Biel mit seiner Vielfalt an Kulturen und Religionen als wichtig erachte. Ebenso sind wir vernetzt mit vielen anderen Playern der Zivilgesellschaft. Auch wenn die Fachstelle Bildung als eigene Fachstelle dem Spardruck, unter dem sich die Kirchgemeinde befindet, anheimgefallen ist, so führen wir dennoch gewisse Teilaufgaben der ehemaligen Fachstelle weiter. Diese Bereiche laufen aber nicht mehr als eigene Fachstelle, sondern sind in die Gesamtpastoral integriert.

Das Besondere, aber auch Anspruchsvolle in der Kirche in Biel ist die Zusammenarbeit mit den vier Sprachgruppen Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch. Finden Sie dies eher anstrengend oder bereichernd?

Ich durfte in den vergangenen vier Jahren in Biel auch sehr viel lernen, unter anderem Französisch, wobei ich mich hüte zu behaupten, ich wäre jetzt bilingue. Ich verstehe nun relativ gut Französisch und man kann mich mit entsprechendem Wohlwollen auch verstehen. Die Welt ist nicht einfach schwarz oder weiss, da gibt es bekanntermassen viele Farbtöne dazwischen. Ich erlebe die Zusammenarbeit mit den drei anderen Sprachgemeinschaften insgesamt als bereichernd, aber ja, es ist sicher immer auch mal wieder anstrengend, wobei dies fraglos auch auf Gegenseitigkeit beruhen wird. Wir Deutschsprachigen sind für unsere anderen drei Sprachgemeinschaften sicher nicht immer nur eine Bereicherung.

Wahrscheinlich sind die Kulturunterschiede prägender als die jeweiligen Sprachen?

Genau, hinter der Sprache steckt auch eine andere Kultur, eine andere Herangehensweise an die Dinge. Hier können wir im aufeinander Zugehen und miteinander Anpacken gemeinsam voneinander lernen. Mir war es von Anfang an wichtig, von meiner Seite einen Effort in die Zusammenarbeit über die eigene Sprachgemeinschaft hinaus zu legen. Dieser Wille wurde auch von den anderen Sprachgemeinschaften erwidert und so ist es uns bei aller Unterschiedlichkeit gelungen, im Miteinander ein Stück weit zusammenzuwachsen.

Für Biel ist Ihr Weggang ein Verlust. Wegen Ihrer integrierenden Persönlichkeit, aber auch weil eine Nachfolge in der Kirche beim momentanen Personalstand keine Selbstverständlichkeit ist. Manche Kirchenmitglieder werden nicht besonders begeistert sein.

Dass Sie mir eine integrierende Persönlichkeit attestieren, ehrt mich. Ich habe hie und da auch gehört, dass eine gewisse Enttäuschung im Raum stehe. Bereits in den ersten Gesprächen 2016, anlässlich der Stellenbesetzung, habe ich allerdings gesagt, dass mein persönlicher Zeithorizont bei etwa sechs Jahren liege. Nun sind es derer nur vier, was wiederum mit der Schaffung der neuen Fachstelle zusammenhängt. Mit der Überführung des pastoralen Organisations-Modelles zum sogenannten «Typ B» konnte ich eine wichtige Aufgabe abschliessen. Dies war für mich persönlich die mindeste Voraussetzung, um überhaupt ein neues Tätigkeitsfeld innerhalb unserer Kirche in Blick zu nehmen. Und dann gibt es manchmal auch Stellen, die dann zu ergreifen sind, wenn sich die Möglichkeit bietet. Ich erhoffe mir mit dieser neuen Aufgabe, auch eine Bereicherung meines ganz eigenen Rucksacks, ebenso wie ich in Biel auch vieles dazulernen durfte. Leben ist immer Entwicklung.

Interview: Niklaus Baschung

 

 

 

2. Juni 2020
erstellt von angelus
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