Care-Arbeit wird oft von Frauen und von Migrant*innen geleistet. Foto: Aditya Romansa/unsplash

«Menschen zu pflegen, ist äusserst anspruchsvoll»

Der Ostermarsch 2021 macht Care-Arbeit zum Thema – mit Online-Statements. Was Care-Arbeit mit Ostern und mit Frieden zu tun hat, erklärt Carolina Hutmacher von der Fachstelle für Soziale Arbeit (Fasa) der Katholischen Kirche im Kanton Bern.

Interview: Sylvia Stam

«pfarrblatt»: Thema des diesjährigen Online-Ostermarsches ist Care-Arbeit. Was hat Care-Arbeit mit Ostern zu tun?

Carolina Hutmacher*: Die Frauen, die am Ostermorgen das Grab aufsuchten, wollten den Leichnam Jesu mit Öl salben. Diese Sorge um einen anderen Menschen ist typische Care-Arbeit (siehe Infobox).

Der Ostermarsch engagiert sich traditionellerweise für Frieden. Inwiefern führt Care-Arbeit zu mehr Frieden?

Die Arbeit im Haushalt zum Beispiel ist notwendige Basisarbeit für das ganze gesellschaftliche Leben. Wenn diese Arbeit nicht gemacht wird, geschieht ganz viel anderes auch nicht. Es ist erstaunlich, dass diese Arbeit so wenig geschätzt wird.

Sie haben beruflich mit Migrant*innen zu tun. In vielen Bereichen der Care-Arbeit sind Migrant*innen tätig. Womit hängt das zusammen?

Ein Grund ist vermutlich, dass viele dieser Tätigkeiten nicht genügend bezahlt werden. Menschen mit Migrationshintergrund übernehmen eher schlecht bezahlte Arbeiten als Einheimische.

 

 

Carolina Hutmacher ist Fachmitarbeiterin Migration bei der Fasa.  Foto: zVg

 

 

 

 

 

Warum braucht es ökonomische und soziale Anerkennung der Care-Arbeit?

In nordischen Ländern wird die Arbeit in Kitas gesellschaftlich sehr geschätzt. Die Angestellten verdienen auch mehr als bei uns. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass diese Lebensphase extrem wichtig ist dafür, was Kinder für ihr Leben mitbekommen. Deswegen schlägt sich das auch im Lohn nieder. Auch das Alter ist eine sehr sensible Lebensphase, in der Menschen sehr verwundbar sind. Solche Menschen zu pflegen, ist äusserst anspruchsvoll. Deswegen sollte diese Arbeit auch gut bezahlt werden.

Geht es dabei auch um Gender-Gerechtigkeit?

Ja, mehr Anerkennung der Care-Arbeit würde auch zu mehr Gleichberechtigung unter den Geschlechtern führen. Denn oft sind es Frauen, die Care-Arbeit leisten. In der Schweiz verändern sich diese Rollen langsam, Männer und Frauen teilen sich die Care-Arbeit mehr und mehr. Das bewirkt, dass die Leute einen differenzierteren Blick auf diese Arbeiten bekommen. Und vielleicht merken Männer auch, wie wichtig und wie anstrengend das ist.

Der Ostermarsch findet dieses Jahr in Form von Statements mit Forderungen in den sozialen Medien statt. Kann die Anerkennung auf diesem Weg erreicht werden?

Nicht nur. Online-Statements können helfen, dass die Leute sehen, worum es geht, um sie zu aktivieren, zum Nachdenken anzuregen und um Ideen zu sammeln, wie diese Forderungen auf erreicht werden können. Auf der konkreten Ebene kann man politischen Gruppierungen beitreten, die diese Themen vertreten.

Gibt es nebst den Online-Statements auch konkrete Veranstaltungen?

Nein, vom 20. März bis 5. April werden täglich Beiträge online gestreamt. Wer sich aktiv mit der Care-Thematik auseinandersetzen möchte, kann dies zum Beispiel im Rahmen des Frauenstreikskomittees tun.

*Carolina Hutmacher (36) ist Fachmitarbeiterin Migration bei der Fachstelle für Soziale Arbeit (Fasa) der Katholischen Kirche im Kanton Bern. In dieser Funktion ist sie Ansprechperson für die anderssprachigen Missionen. Hutmacher ist in Ecuador aufgewachsen und lebt heute in Basel.

Ostermarsch online:  20. März bis 5. April auf Facebook: OstermarschBern, Instagram: ostermarsch_bern Website: ostermarschbern.ch

Der Ostermarsch wird ideell und finanziell unterstützt von diversen kirchlichen Organisationen und NGO's, darunter die Fachstelle Kirche im Dialog der Katholischen Kirche Region Bern.

 

Care-Arbeit meint jegliche Arbeit, die mit der Sorge (englisch «to care» für «sich kümmern») um andere Menschen zu tun hat: Arbeit in Spitälern, von Krankenpfleger*innen, Ärztinnen und Ärzten, von Angestellten von Kitas sowie in Alters- und Pflegeheimen. Darüber hinaus gibt es die unbezahlte Care-Arbeit in der Betreuung von Kindern und Angehörigen zu Hause.

19. März 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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