Unsere Autorin (l.) mit ihren Kolleginnen aus aller Welt im Lerncamp zum Thema «Human Rights in Action» in Vallorbe VD

Menschenrechte in Aktion

Zwei Wochen mit anderen Jugendlichen aus aller Welt zusammenleben und voneinander lernen.


von Nora Moraschinelli


Seit ich mich von meiner Mutter verabschiedet hatte, lösten sich Angst und Traurigkeit mit Aufregung ab. Endlich ist es soweit. Ich bin hier in Vallorbe und werde zwei Wochen lang mit Menschen aus der ganzen Welt verbringen. Als Erstes treffe ich Priska an, die sich, genau wie ich, mit einem zu grossen Koffer abmüht. Plötzlich kommt uns ein Auto entgegen und zwei nette junge Frauen steigen aus. Julianna aus Mexico und Hannah aus Deutschland. Mein Atem stockt. Beide sind nämlich Leiterinnen des Weiterbildungskurses (Short Course) für den ich nach Vallorbe gereist bin. Sie nehmen uns das Gepäck ab und verabschieden sich. Meine erste Begegnung mit der Institution UWC. Ich sterbe fast vor Aufregung und schon kommt das Gästehaus «Auberge Pour Tous» in Sicht. Ich werde von Drew aus den USA begrüsst, der mir den Schlüssel zum Zimmer gibt. Ich teile es mit sieben anderen Mädchen. Youmna aus dem Libanon, Delyth aus Wales, Lucia aus Italien, Anna aus Polen, Esther aus Belgien, Rosalie aus Deutschland und Priska aus der Schweiz.

Intensiver Unterricht

Als ich die Treppe hinuntergehe, höre ich von draussen Menschen lachen. Ich wundere mich, wie viele schon da sind, habe gleichzeitig auch Angst, ihnen zu begegnen. Es sind so viele verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern hier. Piotr aus den USA leitet zum Start Kennenlernspiele. Ich bin erstaunt, wie jung die Leitungspersonen sind, alle zwischen 18 und 24 Jahre alt. Das bin ich mir nicht gewohnt. Das gibt eine ganz andere Dynamik zwischen den Teilnehmer*innen und Leiter*innen. Wir werden zunächst in sogenannte «Umbrella Groups» eingeteilt, das sind neun Teilnehmende und zwei Leitungspersonen. Wir treffen uns in den nächsten zwei Wochen jeden Abend zum Gedankenaustausch. Das ist alles sehr familiär.

Am ersten Tag machen wir eine Schnitzeljagd, um Vallorbe besser kennenzulernen. Bereits am zweiten Tag rede ich mit allen, als würde ich sie schon ewig kennen. Am dritten Tag geht es dann richtig los mit der Einführung in die Menschenrechte. Die Themen der ersten Woche sind «Gender und Sexualität», «Aktivbürger*in», «Migration und sozioökonomische Ungleichheiten». Das ist intensiver «Unterricht». Es gibt jeden Tag eine Präsentation und Workshops zum Thema. Ausserdem gibt es Gastreferate von Menschen verschiedener Organisationen. Die zweite Woche verbringen wir dann in Genf. Wir besuchen die UNO, das Museum des Roten Kreuzes; verschiedene Organisationen stellen sich uns vor und legen dar, wie man konkret helfen kann. Mit diesen Hilfsorganisationen erarbeiten wir auch konkrete Projekte, die man in unseren jeweiligen Herkunftsländern umsetzen könnte.

Viel gelernt

Es waren die besten zwei Wochen meines Lebens. Ich war von Menschen umgeben, welche die gleichen Werte teilen, und wir konnten uns darüber sehr gut austauschen. Ich lernte sehr viel über Menschenrechte, viel mehr, als dass die Schule hätte vermitteln können. Ich habe viele neue Freund*innen gewonnen, ein paar von ihnen konnte ich vor Kurzem in London besuchen.

Bleibt noch zu klären, was UWC ist. Das Kürzel steht für «United World Colleges», eine internationale Non-Profit-Organisation. An derzeit 18 Standorten weltweit wird ein international anerkanntes Bildungsprogramm angeboten. Während zwei Jahren leben und lernen Jugendliche aus über 50 Nationen zusammen. Darüber hinaus gibt es diverse Kurzprogramme. Während einer bis drei Wochen wird, beispielsweise in Vallorbe, ein bestimmtes Thema intensiv behandelt. Es ist eine tolle Erfahrung, und man profitiert stark davon. Wenn man sich der Herausforderung gewachsen fühlt, kann man sich anschliessend für die zweijährige Ausbildung bewerben. Ich bin zurzeit selber daran, meine Bewerbung zu schreiben.


Infos: www.uwc.ch

8. Januar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 2
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