Charles Morerod an der Pressekonferenz in Freiburg. Foto: Georges Scherrer

Missbrauch: Untersuchung entlastet Bischof Morerod

Ende 2019 wurde Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den Freiburger Domherr Paul Frochaux laut. Zwei Untersuchungen sprechen nun von einem Einzelfall und entlasten Ortsbischof Charles Morerod.

Georges Scherrer/kath.ch/sys

Ende 2019 publizierte der «Tages Anzeiger» einen Bericht, wonach der Freiburger Domherr Paul Frochaux 1998 im Wallis einen 17-Jährigen sexuell missbraucht haben soll. Im Pfarrhaus von Vevey soll er ausserdem zwischen 2008 und 2011 einen anderen Priester sexuell belästigt haben. Die Zeitung warf Bischof Charles Morerod vor, von den Vorfällen gewusst zu haben.

Das Bistum beauftragte daraufhin eine interne Kommission, für den ersten Fall Nachforschungen über ein verschwundenes Protokoll aus dem Jahr 2001 anzustellen. Ein Genfer Anwalt sollte zudem die direkten Vorwürfe gegen Frochaux prüfen. Die Berichte der beiden Untersuchungen wurden am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Verschwundenes Protokoll

Die interne Untersuchung habe ergeben, dass sich im Priesterdossier von Frochaux ab Ende 2001 ein Umschlag befunden habe, der das Protokoll eines Gesprächs vom 30. November 2001 enthalten hatte, erklärte Cédric Chanez in Freiburg. Als Mitarbeiter des diözesanen Kanzlers gehörte er der Untersuchungskommission an.

Heute sei das Gesprächsprotokoll nicht mehr vorhanden, und es könne nicht nachvollzogen werden, was damit geschehen sei, so Chanez. Die Existenz des Protokolls aus dem Jahr 2001, als Frochaux ein erstes Mal zur Rede gestellt wurde, sei aber aufgrund eines Eintrags im elektronischen Archiv bewiesen.

Weiter hält der Bericht der Untersuchungskommission, der am Mittwoch vorgestellt wurde, fest, dass der Schweregrad des Geschehens an der Sitzung vom 30. November 2001 beschönigt worden sei. Im Protokoll, das um 2015 noch vorhanden war, heute aber verschwunden ist, sei weder von schwerwiegenden Taten die Rede gewesen noch vom Umstand, dass ein Minderjähriger involviert gewesen sei.

Bischof Charles Morerod sei wiederholt und in ganz allgemeiner Weise über den Fall informiert worden. Die Details, wie sie Ende 2019 in der Presse beschrieben worden seien, seien dem Bischof unbekannt gewesen. Morerod sei von Frochaux angelogen worden.

Externe Untersuchung

Mit der zweiten Untersuchung gegen Frochaux war der unabhängige Genfer Anwalt Maurice Harari beauftragt. Dieser hält in seinem Schlussbericht fest, dass es sich beim Übergriff durch Frochaux im Jahr 1998 um einen Einzelfall gehandelt habe, «da danach keine Hinweise auf Missbrauch ermittelt werden konnten».

Bezüglich der Anschuldigung des Priesters gegen Frochaux hält das Anwaltsbüro fest, dass die Untersuchung in keiner Weise nachweisen konnte, dass in einer von Frochaux betreuten Pfarrei zwischen 2008 und 2011 eine homoerotische Atmosphäre geherrscht habe.

Deshalb müsse die Frage, ob der klagende Priester irgendeiner Form von Belästigung ausgesetzt war und ob das Verhalten seines Vorgesetzten ihm gegenüber jenes eines Wiederholungstäters war, «verneint werden». Diese Feststellung lasse jedoch nicht den Schluss zu, dass der klagende Geistliche lüge, «da die Wahrnehmung von Belästigung jeglicher Art immer eine subjektive Komponente umfasst».

 

 

15. Juli 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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