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Mission, die –

«Drum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern» – mit dieser Weisung Jesu endet das Matthäusevangelium. Und wirklich, die Anweisung, den christlichen Glauben zu verbreiten hat sich die katholische Kirche zu Herzen genommen. Mit Überzeugung, mit Geschichten voller Hoffnung, aber auch mit Gewalt und rücksichtsloser Übernahme bestehender Riten und Traditionen hat sie die Botschaft des Zimmermanns aus Nazareth verbreitet.

Die Missio, die «Sendung», auch unter dem Begriff der Evangelisierung verstanden, ist eine der zentralen Aufgaben der Kirche und ihrer Gläubigen. Im päpstlichen Dekret «Ad gentes» wird das Wesen der Kirche als ein «missionarisches» beschrieben. Will heissen, die Kirche ist immer dazu bestimmt, unterwegs zu sein: Zu den Menschen, mit den Menschen. Was bedeutet das aber, Evangelisierung? Möglichst viele Menschen zu taufen, wenn nötig unter Zwang, wie es die indigenen Völker in allen Erdteilen erlebt haben, die unter die Herrschaft des europäischen Imperialismus fielen?

Im offiziellen Sinne nicht. Nein, Evangelisierung will bedeuten, die Lebenswelt der Menschen, ja der Gesellschaft allgemein, in Einklang mit der Botschaft Christi zu bringen. Dass beispielsweise also Nächstenliebe unser Handeln prägt, und nicht Materialismus und Gier. Dass die Schöpfung als Gottes Werk betrachtet wird, nicht als wertloses Material, mit dem nach Lust und Laune verfahren werden kann. Evangelisierung will keine Lippenbekenntnisse, sondern strukturellen, gesellschaftlichen Wandel – der zwar in individuellem Glauben der Menschen wurzelt, aber seine Früchte gesamtgesellschaftlich trägt.

In seiner neuen Enzyklika «Fratelli tutti» spricht Papst Franziskus am Schluss über die christliche Identität. Die universale Gemeinschaft aller sei unsere Berufung. Darum sei es essenziell, dass die Kirche in allen Völkern präsent sei – wenn diese damit einverstanden seien. Wir sollen leben, was wir glauben – Vergebung, Vertrauen, Liebe. Das ist Mission. Und wir müssen uns nicht verstellen, um Andersdenkenden zu begegnen, wenn wir ihr anderes Denken respektieren.

Sebastian Schafer


«katholisch kompakt» im Überblick

 

 

13. Oktober 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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