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News-Artikel

Muss 4: Fairness in den Strukturen

Der brasilianische Bischof Helder Camara sagte, Gott interessiere sich auch für Geschäfte, Börsen und Bilanzen. Er kannte die Machtspiele der Mächtigen und das Elend, das sie über die Menschen bringen. Darum ermutigte er die Leute, die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen kritisch anzuschauen und fair zu gestalten. Nächstenliebe – Caritas – ist mehr als karitatives Handeln, sie verlangt vor allem die Beseitigung von Unrechtsstrukturen. Aber wir halten gern an ihnen fest, weil wir davon profitieren. Die Geschichte zeigt klar: Je reicher ein Land an Bodenschätzen ist, desto gieriger stürzen sich ausländische Mächte darauf und desto ärmer ist die lokale Bevölkerung. Manche sagen, diese Länder seien arm, weil sie korrupt sind. Sie vergessen, dass manche ausländischen Nutzniesser die Korruption erst geschaffen oder stark befeuert haben, um ihre Interessen im Komplott mit den Eliten dieser Länder durchzusetzen, auf Kosten der Bevölkerung. Ein Symptom für das Unrecht in der Geschäftswelt ist auch der Umstand, dass für den fairen Handel spezielle Labels eingeführt werden müssen, wo doch das ganze Finanzund Wirtschaftsleben fair sein sollte! Es ist absolut notwendig, dass die weltweite Wertschöpfung fairer verteilt wird. Jede und jeder von uns kann mit seiner Stimme und seinem Konsumverhalten mithelfen, Spekulationen mit Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Währungen sowie Steueroasen und unlautere Finanzprodukte zu verbieten und Fairness zum Standard in den Wirtschaftsstrukturen zu machen.

Das Lebenshaus unseres Glaubens gleicht einer grossen Kathedrale, an der seit nunmehr 2000 Jahren ununterbrochen gebaut wird. Unzählige Bauherren haben  daran mitgewirkt: die frühchristlichen Gemeinden und Evangelisten, der   Glaubenssinn von Millionen Menschen, das kirchliche Lehramt, Prophetinnen und   Propheten. José Balmer schreibt über seinen Glauben. Ganz persönlich. In den  1980er Jahren lebte er in Bolivien. Sein Glaube ist von den Erfahrungen in dieser  Weltgegend geprägt.

Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

22. Oktober 2014