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News-Artikel

Dr. Helen Hochreutener, selbstständige Ärztin und Präsidentin des Kirchgemeindeverbands der röm.-kath. Kirchgemeinden im Pastoralraum Bern Oberland. Foto: zVg

Mystische Medizinerin

Die Weltenbummlerin weiss, was sie in der Ferne und zu Hause schätzt. Ihre Lebenshaltung richtet sich auf ein «himmlisches Jerusalem» auf Erden aus.


von Nicole Arz

Wohin führt Sie Ihre Traumreise?

In die Südsee, mit weissen Sandstränden, Palmen und türkisfarbenen Meeresbuchten. Auch die exotische Kultur und die Spiritualität der Menschen vor Ort würde mich «wie im Traum» berühren. Danach komme ich gerne wieder in die Schweiz, in den gewohnten Freundeskreis und Alltag zurück.

Hätten Sie das Zeug zur Landesmutter?

Nein. Um Landesmutter zu sein, braucht es eine Vision, die das Gemeinwohl umfassend und umsichtig im Blick hat: politisch, ökonomisch, sozial, ökologisch. Der Schweizer Weg weist ein sozialisiertes Wohlfahrtssystem auf. Dieses Modell ist meines Erachtens sehr gut und sollte so erhalten bleiben. Ich wüsste nicht, wie mit Verhaltensweisen umgehen, die einem rücksichtslosen Egoismus frönen und die jegliche Verantwortung für die Nächsten vermissen lassen. Ich würde auch die Superreichen mehr in die Verantwortung nehmen und sie vermehrt besteuern, da sie ja auch von einem sicheren Standort profitieren.

Sie können ein ganz persönliches Kunstwerk herstellen, das Material steht zur Verfügung. Wie sieht es aus?

Das Endprodukt ist ein sternförmiger Rundbau mit Turm in der Mitte. Der sternförmige Grundriss weist symbolisch auf die Horizontale hin, auf die Zuwendung zur Welt und zu den Mitmenschen, die Mitte und der aufstrebende Turm jedoch in die Vertikale, auf das Verbundensein der Menschheit mit Gott. In der Mitte ist der Altar als Symbol für den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Der Raum strahlt Ruhe aus und ist mit Licht durchflutet. Das Innere des Raums lässt «das himmlische Jerusalem» spürbar werden. In allen vier Himmelrichtungen befinden sich Portale, um das Volk Gottes zusammenzurufen und einzulassen. In den zwölf Strahlen der sternförmigen Architektur sind Nischen, die der Meditation, der Versammlung oder der Liturgie kleinerer Gruppen dienen.

Wenn Mut im Überfluss vorhanden wäre, was würden Sie wagen?

Ich würde eine wichtige politische Position einnehmen und die Probleme der Zeit in Angriff nehmen: die Armutsstrukturen der Welt, die soziale Ungerechtigkeit zwischen den Menschen, die destruktiven Kräfte. Ich würde hinwirken für mehr Bildung, eine gute medizinisch-soziale Versorgung aller, Menschenrechte für alle, eine gute Infrastruktur im Wohlfahrtsstaat, eine gerechte Versorgung der Menschen mit materiellen und geistigen Gütern sowohl in der Schweiz als auch in der Welt.

Wie tanken Sie Kraft auf?

Mit Meditation, Wandern in der Natur, Liturgie, Singen und guter Literatur.

Welches ist Ihre liebste Zeit im Jahr?

Ich habe ein halbes Jahr in Indien gelebt. Da schien jeden Tag die Sonne. So wurde das schöne Wetter zur Routine. Dort habe ich erfahren, dass ich den Wechsel der Jahreszeiten sehr schätze. Ich war auch drei Jahre in den Südstaaten der USA. Dort sind die Sommer lang und heiss. Ich mied die Sonne und bewegte mich gerne im Schatten. So betrachte ich den Frühling als meine liebste Jahreszeit. Die Natur beginnt zu spriessen, es grünt und blüht in allen Farben und Formen. Auch im liturgischen Jahr ist der Osterkreis meine liebste Zeit. Ganz dicht feiern wir da die die Geheimnisse des Christseins, die Besinnung, das Leiden und Sterben und dann die Auferstehung Jesu Christi.

Die Serie 2020 im Überblick

29. September 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 21
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Soziales