Nach Hintergründen fragen

Weltweit sind etwa 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Was aber sind die Ursachen dafür, dass heute so viele Menschen ihre Heimat verlassen müssen? Welche Rolle spielen Finanzinteressen, Rohstoffhandel und Korruption? Wie ergeht es den Menschen, die flüchten müssen? Was sind ihre Rechte, die zunehmend missachtet werden? Und was können wir tun?

Diese Fragen haben uns bewogen, die ökumenische Feier zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember dem Thema «Auf der Flucht» zu widmen. Die meisten Flüchtlinge leben als Vertriebene im eigenen Land. Die meisten andern fliehen in direkt angrenzende Länder. Dort leben sie meist unter unsicheren, elendesten Bedingungen und hoffen auf eine Rückkehr in ihre Heimat.

Bei uns in der Schweiz und in Europa wird mit der sogenannten «Flüchtlingskrise » Politik und Stimmung gemacht. Dabei werden bewusst Halbwahrheiten und Lügen verbreitet. Um dem entgegenzuwirken, informiert die Schweizerische Flüchtlingshilfe einmal pro Woche mit ihrem Beitrag «Fakten statt Mythen» über die tatsächlichen Realitäten in Bezug auf Flucht, Asyl und Migration.

Und wir laden ein, gemeinsam ein Zeichen der Solidarität mit Menschen auf der Flucht zu setzen, ihre Rechte zu betonen, Hintergründe zu erfahren und geflüchteten Menschen zu begegnen. Der Schriftsteller Lukas Hartmann erzählt von den vielfältigen Gründen, die Menschen zur Flucht zwangen – einst auch zur Flucht aus der Schweiz.

Der Menschenrechtskämpfer Bartolomeu Capita deckt Hintergründe auf: Er musste selbst aus dem Kongo fliehen und lebt seit einigen Jahren in der Schweiz. In mehreren Büchern beschreibt er die Zusammenhänge von Grossmachtspolitik, Rohstoffhandel und der Ausbeutung der Menschen in Cabinda (Angola/ Kongo), das wegen seiner reichen Rohstoffvorkommen seit Jahrhunderten umkämpft ist. 

In unserer jüdisch-christlichen Tradition spielt Flucht eine zentrale Bedeutung: Die zwölf Stämme Jakobs waren aufgrund einer Hungersnot nach Ägypten geflüchtet, wo sie zunächst gute Aufnahme, dann aber Unterdrückung und Sklaverei erfuhren (Exodusbuch). Ebendieser Weg wird auch für Maria und Josef mit dem Jesuskind beschrieben: Sie mussten aufgrund innenpolitischer Verfolgung fliehen. Auch deshalb ist es für uns heutige Christinnen und Christen eine Verpflichtung, uns offen und wach, solidarisch und mit klarem Sachverstand den Gründen und Hintergründen von Flucht und den geflüchteten Menschen zuzuwenden.

André Flury

Tag der Menschenrechte
Samstag 9. Dezember, 19.30: Gesprächsabend mit Bartolomeu Capita, Kirchgemeindehaus Markus, Tellstrasse 35, 3014 Bern
Sonntag 10. Dezember, 18.30– 19.30: Ökumenische Feier zum Tag der Menschenrechte Französische Kirche, Zeughausgasse 8, 3011 Bern.
Musikalische Gestaltung mit Runo Moyo. Übersetzung in Gebärdensprache anschliessend Apéro riche. Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft der Kirchen Region Bern, Amnesty International, Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter. Mehr unter: kircheimdialog.ch

29. November 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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