In guten wie in schlechten Zeiten: Da Hand anlegen, wo eine gebraucht wird. Foto: Neil Thomas, unsplash.com

Nichts zu machen?

Was haben eine Fussballmeisterschaft, Nelson Mandela und die Corona-Krise gemeinsam? Eine freischaffende Theologin, Autorin und Freiwillige am kirchlichen Rand beschreibt, was sich in der gegenwärtigen Zeit trotz Einschränkungen machen lässt.

von Jacqueline Keune, kath.ch

Während Fussball-, Europa- und Weltmeisterschaften schaue ich mir jedes Spiel der Holländer an, wenn sie denn dabei sind. Dann sitze ich in einem Restaurant oder im Quartiertreff und schreie van Persie zu, dass Sneijder freisteht. Viel mehr lässt sich da nicht machen.

Ich erinnere mich an eine Geschichte aus Südafrika: Ein schwarzafrikanischer Anwalt schaut zu, wie eine weisse Lady versucht, ihr Auto aus einer Parklücke zu bekommen. Er geht zu ihr hin und weist sie Schritt für Schritt an, bis der Wagen draussen ist. «Thank you, John», meint die Frau. John – der Einheitsname der Weissen für die Schwarzen. Dann streckt sie dem Mann eine kleine Münze hin, die dieser ablehnt. Auch auf Drängen: Der Mann nimmt das Geld nicht. Schliesslich wirft es ihm die Frau vor die Füsse und meint: «Es reicht dir wohl nicht!», und braust davon. Südafrika im Jahr 1952. Der Anwalt hiess Nelson Mandela. Er hätte sich auch sagen können: So sind die Dinge halt, da kann man nichts machen – hat er aber nicht, sondern die Erniedrigung seines Volkes nicht hingenommen und dafür fast 30 Jahre gesessen.

Nun, ich bin kein Nelson Mandela, aber ich kann dazwischengehen. Oder ich kann mich entschuldigen. Oder ich kann abends darüber nachdenken, was der Tag Schönes für mich bereitgehalten hat – meist lässt sich auch noch im Mühsamsten was finden. Oder ich kann Vertrauen anbieten, statt auf der Hut zu sein, kann versuchen, nicht zu lügen, kann wertschätzend von anderen reden, kann für die Verzweifelten in Idlib oder auf Lesbos einen Einzahlungsschein ausfüllen und im Quartier Hand anlegen, wo eine gebraucht wird. Oder ich kann in Corona-Zeiten daran erinnern, dass nicht wir es sind, die am Verhungern sind, und dass Elend anders ausschaut als ein paar Tage in der geheizten Wohnung. Oder eben: Sneijder (oder wie sie inzwischen heissen) in den Strafraum schreien und auch selber immer neu einen gangbaren Weg suchen. Das vor allem.

18. März 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 7
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