Ziteil ob Savognin. Der höchstgelegene Wallfahrtsort Europas. Blick aus der Kapelle auf die Bergwelt.Foto: savognin.graubuenden.ch

Oasen der Kraft

Als ich noch Gymnasiast an der Stiftsschule Einsiedeln war, verbachte ich regelmässig ein oder zwei Wochen meiner Sommerferien in der Abtei. Wie kam es dazu?


Alexander Pasalidi, Pfarrer in Gstaad



Der damalige Gästepater und der zuständige Pater des Klosterladens waren froh, in den Sommerferien eine Aushilfe im «Laden» bzw. an der Hofpforte zu haben. Ich habe mich für diese Aufgaben jeweils gern gemeldet und diese mit Herzblut ausgefüllt.
Das i-Pünktchen für mich als Teenager waren das regelmässige Ministrieren während des Konventamtes und vor allem die Mahlzeiten mit der Mönchsgemeinschaft im wunderschönen Klosterspeisesaal. Jeder Tag brachte neue Begegnungen – besonders an der Pforte –, da lernte ich viele Pilger*innen bzw. Mönche anderer Klöster bzw. auch kirchliche Würdenträger kennen. Das Interesse am monastischen Leben, die Freude an architektonischer Schönheit und der Drang, Neues entdecken zu wollen, führten mich zur Idee, mit Kameraden während der Ferien Klosterreisen zu unternehmen.

Gesagt – getan. Doch wie anpacken? So ging ich zum damaligen Abt und bat ihn, der mich nun als Stiftsschüler, Ministrant und Sommeraushilfe gut kannte, mir ein Empfehlungsschreiben für die Klöster aufzusetzen, die ich besuchen wollte. Über Jahre stellte mir der mittlerweile verstorbene Abt ein solches «Tür öffnendes» Empfehlungsschreiben aus. Unvergessen sind die 14-tägigen Reisen in Benediktinerabteien in Italien (u. a. Montecassino), Ungarn (Pannonhalma), Österreich (Göttweig), Spanien (Montserrat) usw.

So lege ich Ihnen, liebe Leser*innen, ans Herz, diesen Sommer die sakrale Schweiz (wieder) zu entdecken – sei es allein, mit Freund*innen und/oder der Familie. Klöster bieten preiswerte Unterkünfte an. Hier ein paar Tipps: Das Kloster Einsiedeln mit der Wanderregion rund um den Sihlsee; die inmitten herrlicher Bergwelt gelegenen Klöster Disentis oder Engelberg; die in eine Felsenhöhle errichtete Gnadenkapelle im Kloster Mariastein. Mit Kindern lohnt sich ein Besuch beim «Sarner Jesuskind», verbunden mit einer Wallfahrt zu Bruder Klaus und seiner Gemahlin Dorothea nach Flüeli und in den Ranft.

Das Afrika-Museum der Petrus-Claver-Schwestern in Zug ist mit dem See auch immer eine Reise wert. Und wer noch nie in der Verenaschlucht bei Solothurn bzw. im Verenamünster in Bad Zurzach war, hat nun Gelegenheit dazu. Wer gern wandert, kann auch auf dem Jakobsweg im Berner Oberland (Kirche und Krypta Amsoldingen, ehemaliges Cluniazienserkloster Rüeggisberg, Beatushöhlen) oder auf der Via Francigena (Romainmôtier, Abtei St. Maurice im Wallis) Wegstrecken und Sehenswertes erkunden. Lust auf eine Wandertour? Dann auf zum höchstgelegensten Wallfahrtsort Europas – nach Ziteil ob Savognin (2434 m ü. M.).

Viel Freude und Elan unterwegs, und bleiben Sie gesund!

 

 

24. Juni 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
  • Pfarrblatt / Angelus