Es ist längst fünf vor Zwölf für die Umwelt. Orthodoxe Wassersegnung in Bregenz mit Erzpriester Radu Constantin Miron (links) und Priester Ovidiu Cozma. Foto: Kurt Zaugg

Ökumenisches Morgenlob und Orthodoxe Wassersegnung

Die zentrale Feier der «SchöpfungsZeit», des ökumenischen Tags der Schöpfung, fand in diesem Jahr am 4. September zum ersten Mal in internationaler Zusammenarbeit der drei Bodensee-Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und Schweiz statt. Im Zentrum stand das Thema Wasser und um das zu verdeutlichen gab es eine Schiffstour von Bregenz über Lindau nach Romanshorn. 

Von Anne Durrer* 

Als Kurt Zaugg, Leiter des Vereins «oeku Kirchen für die Umwelt» und ich vor zwei Jahren gemeinsam nach München reisten, ahnten wir nicht, was auf uns zukommen würde. Es wurde uns angeboten, den ersten internationalen Schöpfungstag mit zu organisieren. Uns war sofort klar, dass wir mitmachen, und dass dieser Tag am Bodensee zum Thema Wasser stattfinden muss.

Der See nämlich verbindet grenzüberschreitend fünf Millionen Menschen und Wasser ist in ökologischer und biblischer Hinsicht von existenzieller Bedeutung.

In diesen zwei Jahren ist viel passiert, eine beträchtliche Anzahl Treffen in den unterschiedlichsten Konstellationen und der damals absolut unvorstellbare Faktor «Covid-19». Viele Sitzungen fanden digital statt, was geographisch auch Vorteile hatte. Vieles wurde aber verkompliziert, Stichwort: Schutzkonzept, verbindliche Anmeldungen, Zertifikate und die dauernde Unsicherheit, ob der Anlass überhaupt stattfinden kann. Und:

Ströme lebendigen Wassers

Der rote Faden, das Motto für den Anlass stand schon früh fest: «Damit Ströme lebendigen Wassers fliessen». Für die Feier wurde das Motorschiff «MS Alpenstadt Bludenz» reserviert, Abfahrt ab Bregenz, um 13 Uhr.

Die lokalen Vorbereitungsteams setzten sich ans Werk, interkonfessionell – unser Tag, «SchöpfungsZeit», ist ökumenisch. Die Bewahrung der Schöpfung finden seit Jahren eine wachsende Resonanz.

Musiker wurden verpflichtet, vom Lindauer Bläserensemble in Bregenz, über den russisch-orthodoxen Chor in Lindau bis hin zum Alphorn-Duo und dem Organisten in Romanshorn. Dort fand nach dem Gottesdienst ein Empfang zum 50-jährigen Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) statt mit Grussworten, Geschenken und feinem Apero.

Die Feier

Im Laufe des Sommers sorgte nicht nur die Pandemie für Bedenken, sondern auch das nasse Wetter. Der Gott der Schöpfung zeigte sich aber sehr grosszügig: Der Tag der Schöpfung fand am 4. September unter glänzendem Sonnenschein statt, der See strahlte genauso wie die Gesichter der etwa 100 Frauen und Männern, welche die Reise miterlebten.

In Bregenz wurde eine Wassersegnung vom rumänisch-orthodoxen Priester Ovidiu Cozma und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, gefeiert. Es ist kein Zufall, dass die von Cozma gesungene Liturgie uns «unter die Haut» ging: Cozma ist auch als Opernsänger in St. Gallen tätig.

In Lindau wurden wir eingeladen, die wunderschöne Naturkulisse wahrzunehmen und dafür zu danken. Auch ermutigte Bertram Meier, Bischof von Augsburg, alle, sich für die Umwelt zu engagieren, «es ist bereits fünf nach 12».

Die Predigt

In Romanshorn predigte Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche Schweiz: «Jeder Christ ist wie ein lebendiges Wasser beziehungsweise ein Träger des Heiligen Geistes». «In der heutigen Zeit des Säkularismus bleibt aber die kritische Rückfrage an die Kirche heute und damit an uns: Tun wir für das Fliessen von Strömen lebendigen Wassers das Richtige? Reden wir zu leise? Zeigen wir das zu wenig?»

Dass zum überzeugenden Handeln auch Taten gehören, verdeutlicht das Soziale Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche, das im Gottesdienst aufgenommen wurde: «Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen und verantwortungsvoll nutzen».

3G neu gedeutet

Die neue «3G-Regel» galt auch für diesen Tag und verursachte keine unschönen Szenen. Ich staunte trotzdem, als ausgerechnet ein hoher orthodoxer Würdenträger – Erzpriester Radu Constantin Miron – auf dem Schiff zum Mikrophon griff und nochmals die Gültigkeit der 3-G-Regel betonte …. «GETAUFT GEMEINSAM GLÜCKLICH!» Besser hätte sie für diesen ersten internationalen Tag der Schöpfung nicht treffen können.

 

*Anne Durrer ist Generalsekretärin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) Gemeinsam mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und der AGCK in Deutschland luden sie gemeinsam mit vielen lokalen Partner:innen zur internationalen Feier zum Tag der Schöpfung am 4. September ein.

 


«Damit Ströme lebendigen Wassers fliessen»

Die Kirchen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz legen jedes Jahr im September ihren Schwerpunkt auf die Umwelt, die Natur – die Schöpfung und den Schutz davon. Initiiert hat die «SchöpfungsZeit» der Verein «oeku Kirche für die Umwelt». Auf der Webseite heisst es zum diesjährigen Motto: «Die Alpen sind das Wasserschloss vieler europäische Staaten. In unseren Seen sammelt sich das Wasser, das Länder und Menschen verbindet. Die SchöpfungsZeit bietet die Gelegenheit, für das Geschenk des Wassers zu danken und dafür zu sorgen, dass lebendiges Wasser auch in Zukunft fliessen kann.»

Mehr Wasser gibt es hier im «pfarrblatt»-Dossier

 

 

13. September 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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