Mitlerweile Direktor einer kleinen NGO. Der Theologe Andreas Hugentobler. Foto: zVg

Das Essen ist angekommen. Selfie mit Andreas Hugentobler (Vordergrund). Foto: zVg

«Oscar Romero steht für Hoffnung»

Zwei Drittel der Menschen in El Salvador können nicht auf ein geregeltes Einkommen zählen. Sie habe der Ausnahmezustand wegen Corona besonders hart getroffen, sagt der dort lebende Theologe Andreas Hugentobler. Wie er Gegensteuer gibt, erzählt er an der Romero-Tagung vom 20. März.

aufgezeichnet von Marcel Friedli

«Die schwierigste Zeit war zu Beginn der Corona-Epidemie, von März bis Ende August 2020. Mit militärischer Strenge wurde in El Salvador der Ausnahmezustand durchgesetzt. Der öffentliche Verkehr wurde lahmgelegt. Ohne Erlaubnis durfte man nicht einkaufen gehen. Während dieses sechsmonatigen Ausnahmezustandes bekamen besonders abgelegene Gemeinden die Engpässe zu spüren – und jene zwei Drittel der Bevölkerung, die auf kein geregeltes Einkommen zählen können.

Wenn wir manchmal die Ausgangssperre durchbrachen, um Nahrung in die Dörfer und Weiler zu bringen, wurde uns bewusst: Diese Menschen könnten sich selber durch lokale, familiäre Produktion ernähren. Darum initiierten wir Workshops zur biologischen Produktion von Gemüse und Getreide. Später starteten wir ein Programm zur nachhaltigen Hühnerzucht.

Autoritäres Regime

Anfang September wurde der Ausnahmezustand von einem Tag auf den andern aufgehoben: Die Wirtschaft begann – total unkontrolliert – wieder zu laufen, während die Schulen geschlossen blieben. Es ist eindrücklich, wie verhältnismässig glimpflich El Salvador bislang durch die Corona-Krise gekommen ist. Die Auswirkungen sind in Panama, Ecuador und Brasilien viel schlimmer als in El Salvador, obwohl es das am dichtesten besiedelte Land Lateinamerikas ist.

Allerdings haben wir nun – nach den eben durchgeführten Wahlen – in den nächsten Jahren eine autoritäre Regierung. Militarisierung, Übergriffe auf unabhängige Journalist*innen haben krass zugenommen. Auch gibt es mehr Korruption, demokratische Institutionen sind abgeschafft worden. Das sind meiner Meinung nach weitaus grössere Gefahren als Covid.

Unser Leben als Familie mit zwei kleinen Kindern beschränkt sich auf die eigenen vier Wände. Die siebenjährige Paula hat seit einem Jahr ihre Gschpänli nicht mehr gesehen und verbringt ihre Schulzeit vor dem Computer. Zum Glück hat sie Santiago, ihren quirligen, kleinen Bruder. Doch wir merken ihnen an, wie sehr es ihnen fehlt, draussen herumzutoben. Und auch wir Eltern haben manchmal das Gefühl, uns würde das Dach auf den Kopf fallen.

Hunger nach erdiger Theologie

Wir sind mit den kirchlichen Basisgemeinden südlich der Hauptstadt unterwegs. Gestartet haben wir unseren Einsatz über eine Nichtregierungsorganisation (NGO) der basiskirchlichen Solidaritätsarbeit. Vier Jahre später wurde die Basisgemeinde-Vereinigung Acobamor gegründet, die auf wertvolle Unterstützung zählen darf: auf jene der katholischen Gesamtkirchgemeinde Bern.

Ich habe mich vom Jugendarbeiter und Ausbildner zum Direktor einer kleinen NGO entwickelt. Mein Herz schlägt vor allem für die basistheologische Bildungsarbeit. Aus eigener Erfahrung weiss ich um den Hunger nach guter Theologie. Veränderungen löst sie jedoch nur aus, wenn sie geerdet ist und gemeinsam entwickelt wird.

Nach dem Theologiestudium in der Schweiz ging ich nach El Salvador, ins Land von Oscar Romero. Der Bischof gibt 70’ 000 ermordeten Kindern, Frauen und Männern, die während des Bürgerkriegs ermordet worden sind, ein Antlitz. Romero steht für die Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich ernsthaft auf die Seite der Entrechteten stellen.»

 


Stimme der Gerechtigkeit

Der 38-jährige Theologe und zweifache Vater Andreas Hugentobler
ist als Geschäftsführer einer NGO für Fidei Donum (FD) Schweiz in El Salvador im Einsatz. FD unterstützt den weltkirchlichen Austausch von Seelsorgenden der einzelnen Bistümer und arbeitet im Auftrag der Schweizerischen Bischofskonferenz. Andreas Hugentobler ist einer der Referenten an der Romerotagung vom 20. März, die zwischen 13.30 und 16.30 Uhr online stattfindet.

Die Romero-Tage erinnern an den katholischen Erzbischof Oscar Romero, der vor 41 Jahren auf Befehl der herrschenden militärischen Machthaber während eines Gottesdienstes erschossen wurde. Dies, weil er die staatliche Gewalt und die soziale Ungerechtigkeit in El Salvador unerschrocken beim Namen nannte. Im Anschluss an die erwähnte Online-Tagung vom 20. März findet am Mittwoch, den 24. März ab 19.30 Uhr in der Peterskapelle Luzern (mit Schutzkonzept) ein politisches Nachtgebet statt. Diese Anlässe organisiert die theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung TheBe.

Für die Online-Tagung kann man sich bis am 15. März anmelden unter romerotagung(at)bluewin.ch oder via: TheBe, Postfach 4203, 6002 Luzern.
Den Zoom-Link erhält man per Mail. Infos zum Programm

 

 

 

11. März 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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