Es gibt viele Möglichkeiten, Ostern für Kinder erfahrbar zu machen. Foto: Aleksandra Suzi-photocase.de

Ostern be-greifen

Interview: Anouk Hiedl

«pfarrblatt»: Die Fasten- und Osterzeit ist eine geballte Zeit im Kirchenjahr. Wie kann man Kindern deren Bedeutung verständlich vermitteln?

Andrea Meier: Für Kinder ist es oft am einfachsten, Dinge zu «be-greifen», also mit allen Sinnen zu erfahren. Durch das Erleben kann auch die Bedeutung von Feiertagen zur Sprache kommen: Was machen wir da? Welche Geschichte steckt dahinter? Warum ist das wichtig für dich? Erwachsene kommen da manchmal an ihre Grenzen.

Aber das das Schöne dabei ist, gemeinsam zu suchen und zu erforschen, was dahintersteckt. Es gibt viele Möglichkeiten: Ein «40 Tage ohne» In der Fastenzeit bietet allerlei Möglichkeiten für Kleine und Grosse, das Verzichten zu üben. Auch in der Karwoche bieten sich verschiede Aktivitäten an: Am Palmsonntag ein Sträusschen binden und über immergrüne Hoffnung reden. Am Gründonnerstag mal auf orientalische Art am Boden essen und Jesu Freundeskreis aufleben lassen. Am Karfreitag Steine suchen, über das Schwere im Leben reden und eine Kerze anzünden, mit Bitten und Wünschen. Und am Karsamstag mal versuchen, ganz still zu sitzen – vielleicht bei einem Ausflug in den Wald?

Ostern ist in unserer Familie verbunden mit dem Feuer, in der Kirche oder auch mal ein ganz grosses im Garten. Unsere ältere Tochter hat sich gewünscht, es die ganze Nacht lang zu hüten. Wir werden sehen, wie lange sie aufbleiben kann.

Wie kann es gelingen, Kindern die Auferstehung zu erklären?

Ich hatte letztes Jahr ein spannendes Erlebnis mit der 4-jährigen Tochter von Freunden. Wir sahen in der Kirche ein Kruzifix. Sie war schockiert und fand, «dem geht’s ja mega schlecht!» Als ich ihr dann erzählt habe, dass es mit «dem da» wieder gut wird – dass er zurück kommen wird ins Leben – war ihre Antwort: «Das kann man ja fast nicht glauben!»

Was die Römer als «Scandalon» des christlichen Glaubens ansahen, ist auch für ein heutiges Kindergartenkind kaum fassbar. Ich finde es wichtig, diesen Zweifel mitzunehmen. Was da erzählt wird, ist eines der zentralen Geheimnisse unseres Glaubens: Es muss und kann keine einfache Erklärung dafür geben. Und doch haben wir hoffentlich alle schon mal Erfahrungen gemacht, wo scheinbar Totes wieder zum Leben gekommen ist – von den Pflanzen im Frühling bis zu überraschenden Versöhnungen. Darüber lässt sich mit Kindern gut reden. Es gibt auch eine Vielzahl von Kinderbüchern, die sich feinfühlig mit diesem Thema beschäftigen.

 

Fasten- und Osterzeit mit Kindern

Aktivitäten zu Ostern finden Sie HIER

 

 

Martina Steinkühler: Die neue Erzählbibel. Gabriel 2015, 256 Seiten, Fr. 28.90.

 

 



 

 

Hermann-Josef Frisch: Der Chamäleonvogel. Gütersloher Verlagshaus 2004, 32 Seiten, Fr. 18.90.

 

 

 

 

 

 

 

 

31. März 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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