Papst Franziskus wird von der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet zum offiziellen Staatsbesuch empfangen. Foto: Santiago de Chile, 16. Januar, Reuters/Rodrigo Garrido

Papst in Lateinamerika auf schwierigem Terrain

Vom 15. bis 18. Januar besucht Papst Franziskus Chile, anschliessend reist er weiter nach Peru. Der oberste Hirte der katholischen Kirche wird am 22. Januar zurück in Rom erwartet. Im Mittelpunkt der Reise stehen Treffen mit der ursprünglichen, der indigenen Bevölkerung. Weiter sollen die Umweltzerstörung, das Schicksal von Heimkindern, von Gefangenen und der Landraub an den Kleinbauern thematisiert werden.

Wie üblich bei Papstreisen wird Franziskus auch auf seiner sechsten Lateinamerikareise unzählige Menschen treffen und anhören. Er wird Opfer von Gewalt, Armut und Ausgrenzung besuchen. Die Bandbreite ist enorm.
Thematisch kümmert sich der Papst um Folteropfer der chilenischen Diktatur von Augusto Pinochet, er trifft Opfer der repressiven Regierung Alberto Fujimoris in Peru und er trifft Opfer sexueller Gewalt durch katholische Kleriker.

Ein Schwerpunkt wird die Auseinandersetzung mit dem Volk der Mapuche sein. Diese kämpfen teilweise mit Gewalt um die Rückgabe ihres geraubten Landes. Symbolisch nicht zu vernachlässigen: Auch die katholische Kirche Chiles ist im Besitz solcher Landflächen. Ein radikaler Flügel der Mapuche-Indianer ist aus diesem Grund verantwortlich für Anschläge auf Kirchen im Vorfeld des Papstbesuches.

Der Schaden war gering, auf Flugblättern wurde aber die Kirche selber des Landraubs bezichtigt. Franziskus wird nach Temuco, dem Zentrum des Volks der Mapuche, reisen. Die Messe in Temuco stehe unter dem Thema Entwicklung; anschliessend wolle sich der Papst beim Mittagessen mit acht Angehörigen der Mapuche austauschen, teilte der Vatikan im Vorfeld mit.

Symbolträchtig werden auch auf dieser Reise die zahlreichen Messen vor tausenden von Menschen sein. Am Eröffnungsgottesdienst in Santiago de Chile sollen über 400'000 Menschen teilgenommen haben. Daneben wird der Papst intensiv das Thema Umweltzerstörung in den Fokus rücken.
Ein Besuch im peruanischen Gebiet Madre de Dios steht auf dem Programm, hier wird durch illegalen Bergbau die Lebensgrundlage der Indios komplett zerstört. Ausserdem, so der Papst im Vorfeld, sei die Umweltzerstörung im Amazonasgebiet besorgniserregend. Franziskus wird darum in Puerto Maldonado mit Vertretern der Amazonas-Völker zusammentreffen.

Lateinamerika liegt dem argentinischen Papst besonders am Herzen. Die katholische Kirche steht auf dem ganzen Kontinent unter Druck. Pfingstbewegungen, evangelikale Bewegungen überhaupt, machen Konkurrenz.
In Chile beispielsweise bekennen sich bloss noch 45 Prozent der Bevölkerung zur katholischen Kirche. Das Land hat insgesamt 17 Millionen Einwohner. Zahlreiche Missbrauchsfälle haben die Glaubwürdigkeit der Institution im Grunde zerstört. Viele Menschen sind gegenüber der Kirche derart kritisch, dass sie sich gänzlich von der Religion abwenden. Geschichten wie jene von Bischof Barros sind dafür exemplarisch.

Bei seiner Ankunft in Chile und vor dem Gottesdienst im O'Higgins Park in Santiago kam es denn auch zu Protesten gegen den Papst. Hintergrund ist die Ernennung eben jenes Juan de la Cruz Barros Madrid zum Bischof von Osorno im Jahr 2015 durch Papst Franziskus. Barros soll den Priester Fernando Karadima jahrelang geschützt haben, obwohl allgemein bekannt gewesen sei, dass dieser Minderjährige und Erwachsene sexuell missbraucht habe.
Ein Gericht stellte das Verfahren ein, wegen Verjährung. Also ausdrücklich nicht wegen dessen Unschuld. Die zuständigen Vatikanbehörden verurteilten Karadima schliesslich wegen sexuellem Missbrauch und verbannte den Kleriker in ein Kloster. Auf Transparenten an der Demonstration in Santiago hiess es, Osorno würde leiden, Papst Franziskus müsse endlich Bischof Barros abberufen. Dieser aber bestreitet bis heute, von allem etwas gewusst zu haben.

Andreas Krummenacher

HINWEIS
Vatikan-Homepage zur Reise des Papstes nach Chile und Peru 

 

 

17. Januar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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