«Wie möchte ich denn bestattet werden?» Das Bestattungsvelo soll auch zum Nachdenken anregen. Foto: doubledutch.ch

Per Velo auf die letzte Reise

Ein Bestattungsunternehmen hat in Bern ein Bestatter-Velo lanciert. Pastoralraumleiter Patrick Schafer spricht von einer «passenden Lösung».

Sargtransport per Velo – mit diesem Hingucker sorgt derzeit das Bestattungsunternehmen Aurora in Bern für Aufmerksamkeit – sprich Schlagzeilen. Mehrere Medien berichteten. Auf der Firmenwebsite von Aurora heisst es: «Solche Überführungen können mit dem eigenen Velo begleitet und so zu einem lebensbejahenden und in Erinnerung bleibenden Ritual werden.» Durch die langsame, lautlose Fahrt werde Tempo aus dem hektischen Alltag genommen, «es bleibt Zeit zu atmen und nach innen zu gehen.» Durch den «Sympathiebonus des Velos» werde das Thema Tod und Sterben «spielerisch auf die Strasse getragen». Zunächst biete Aurora die letzten Fahrten per Lastenvelo im Raum Bern an.

Thema Tod enttabuisieren

Der offene Umgang mit einem Tabuthema ist ganz im Sinne der Stadt Bern. Unter dem Motto «Bärn treit – gemeinsam bis zuletzt» sollen Menschen am Lebensende und deren Angehörige nicht allein gelassen werden mit dem schwierigen Thema Tod. Ziele der Ende 2020 lancierten Charta: Themen wie Trauer, Tod und Sterben zu enttabuisieren und eine Kultur des Füreinanderdaseins zu etablieren. Patrick Schafer, Leiter des Pastoralraums Region Bern, gefällt die Innovation. «Weshalb sollte auch die letzte Fahrt vom Quartier auf den Bremgartenfriedhof nicht mit dem Fahrrad geschehen statt per Auto? Ohne Motorenlärm und in gemächlicher Fahrt zur letzten Ruhestätte empfinde ich als eine passende Lösung. Ich bin gespannt auf die Reaktionen», teilt er auf Anfrage von kath.ch mit.

Das Bestattungsunternehmen Aurora hat die Berner Charta unterzeichnet. «Mit dem Velo wollen wir ein Zeichen setzen, sich bewusster und offener mit dem Thema zu befassen», sagt Bestatterin Linda Romano gegenüber Radio SRF. Wer das Velo sieht, überlege sich vielleicht: «Wie möchte ich denn bestattet werden? Würde das zu mir passen, mit dem Velo zum Friedhof transportiert zu werden?» Das Bestattungsvelo passe ausserdem zur Velohauptstadt Bern.

So teuer wie ein Kleinauto

Laut einem Bericht des Bieler Tagblatts hat Aurora das Bestattervelo vom niederländischen Cargovelobauer Doubledutch in Winterthur massschneidern lassen. Nach eigenen Angaben hat das Bestattungsunternehmen so viel Geld für den Bau investiert, wie man für ein Kleinauto ausgeben würde. Das einen Meter breite Velo, ausgestattet mit Kerzenhaltern für feierliche Stimmung, gilt strassenverkehrsrechtlich als Fahrrad, es erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. (kath.ch/sys)

Hinweis: Bericht im Regionaljournal SRF Bern Freiburg Wallis

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12. Mai 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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