pfarrblatt:

News-Artikel

Mirjam Stocker (1987), Theologiestudentin in Luzern (früher Fribourg und Tübingen).

Perspektivenwechsel

Es war unter strahlendem Nachthimmel, bei ruhiger Stimmung am Stadtrand von Sevilla. Da sagte ein Freundin vor sechs Jahren zu mir: «Schau mal da oben, die vielen Sterne! Wenn es mir nicht gut geht, schaue ich in den Himmel und erinnere mich, dass ich nur ein winziger Teil des Universums bin. Meine Probleme sind dann plötzlich nicht mehr so gross.» Diese Strategie hat mich beeindruckt. Auch heute noch, wenn mein Blick in den Sternenhimmel schweift, denke ich oft an ihre Worte. Natürlich ist es fragwürdig, ob die Grösse des Weltalls dazu beiträgt, persönliche Probleme zu bewältigen. Doch eines ist für mich klar: Der Blick in den Himmel öffnet den Horizont. Ich unterbreche das Kreisen um mich selber, um meine Pflichten und Pläne, und schaue auf.

Ähnlich ergeht es Abraham in der biblischen Geschichte. Die Stimme fordert ihn auf, zum Himmel hinauf zu schauen und die Sterne zu zählen. Sein Blick wird abgelenkt von der eigenen Person, dem Alter, den fehlenden Kindern und hingeführt zur Hoffnung auf Zukunft. So unzählig wie die Sterne werden seine Nachkommen sein. Abraham soll zum Segen für alle werden. Das drückt für mich ein Leben in Fülle aus, einen Reichtum an Erfahrungen und Beziehungen. Es ist nicht das Bibelzitat selber, das mich in den letzten Jahren begleitet hat, sondern die Stimme meiner Freundin. Aber der Vers trifft ihre Aussage und ergänzt meine Erfahrung. Zum nüchternen und lockeren Umgang mit Problemen kommt der hoffnungsvolle Blick auf die Zukunft hinzu. Perspektivenwechsel kann weiterführen.  

10. November 2011