Flammendes Grundvertrauen. Foto: Choreograph, iStock.

Pfingsten und das geheimnisvolle «G»

Von getauft bis geimpft – die Pandemie und Pfingsten aus der Perspektive des Anfangsbuchstaben G.

Von Alexander Pasalidi, Pfarrer in St. Josef, Gstaad

Welche Wörter mit dem Anfangsbuchstaben G kommen Ihnen in der gegenwärtigen Weltsituation und rund um Pfingsten in den Sinn? Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, welche die ganze Welt seit über einem Jahr im Griff hält, ist in diesen Tagen in Talkshows, Zeitungen und online überall von Geimpften, Getesteten und Genesenen die Rede.

Wörter mit G spielen rund ums Pfingstfest ebenfalls eine wesentliche Rolle, z. B.: Geistsendung, Glaubensüberzeugung und Gemeinschaftsbildung. Zur Geistsendung gehört die Überzeugung, dass die beiden Feste Ostern und Pfingsten zusammengehören. Denn bereits am Ostertag hauchte der Auferstandene seine Jünger an und erfüllte sie mit seinem Geist (Joh 20,19-22). Dadurch ermutigte er sie zum Glaubenszeugnis. 50 Tage später an Pfingsten werden die Jünger*innen von Neuem mit dem Heiligen Geist gestärkt, um nun zur weltweiten Glaubensbezeugung aufzubrechen. Pfingsten ist, sozusagen, die Geburtsstunde der christlichen Glaubensgemeinschaft!

Und immer wieder: Grundvertrauen!

Ostern steht für Christ*innen für die Perspektive der Befreiung und Erlösung u.a. auch von der Pandemie. Die Osterzeit hat Christ*innen im Grundvertrauen gestärkt, dass der Lockdown und alle damit verbundenen wirtschaftlichen, sozialen und persönlichen Einschränkungen ein Ende haben und das Leben siegreich auferstehen wird. Was der Mensch heute weltweit mehr denn je braucht, ist dieses Grundvertrauen! Grundvertrauen u. a. in Gesellschaft, Gesundheitswesen und Gott!

Seit über einem Jahr wird in der Wissenschaft, in Parlamenten, an Demonstrationen und in Diskussionen kontrovers gerungen, um letztlich einen gemeinsamen Weg durch diese Krise – ohne gegenseitiges Misstrauen – zu finden. Der Heilige Geist – die Pfingstgabe – schenke allen Christ*innen und allen Menschen guten Willens auch in dieser Phase der Pandemie das, was die Menschheit in einer multireligiösen und multikulturellen Welt auf dem gemeinsamen Weg aktuell nötig hat: Grundvertrauen in- und aufeinander. Christ*innen werden an Pfingsten durch den Empfang des Heiligen Geist darin bestärkt.

Getauft, gefirmt, gesegnet

Weiter ermutigt Gottes Geist Christ*innen zum Gestaltungsauftrag in dieser Welt. Dank des Grundvertrauens in Gesellschaft und Gott sollen Christen am Aufbau einer neuen, besseren Welt mitwirken (vgl. Mt 22,21: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist»).

An Pfingsten empfangen Christgläubige von Neuem den Heiligen Geist, um nicht der Versuchung zu erliegen, zur «alten Normalität» zurückzukehren. Nein, vielmehr sollen Christ*innen geisterfüllt zu einer neuen Lebendigkeit beispielhaft voranschreiten. Es gilt nun, das aus 14 Monaten Pandemie Gelernte in einem neuen Umgang mit der Schöpfung, dem Mitmensch, sich selbst und Gott gegenüber umzusetzen und zu leben.

Pfingsten spornt Christ*innen an, trotz Corona in der Welt von heute und morgen Freund*innen des Lebens und Bot*innen der Freude zu sein – und dies dank Grundvertrauen und dem Gestaltungsauftrag als Getaufte, Gefirmte und Gesegnete.

21. Mai 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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