Pia E. Gadenz-Mathys. Die Koordinatorin des Pastoralraums Oberland geht in Pension. Foto: Archiv

Pia E. Gadenz-Mathys. Foto: Archiv

Berner Oberländer Pionierin

Pia E. Gadenz-Mathys, die Koordinatorin für den Pastoralraum Oberland, ist pensioniert. Sie hat in mehreren Bereichen Pionierarbeit geleistet. Für Frauen, Theologinnen, Gemeindeleiterinnen, den Pastoralraum und die Kirche. Als Pionierin und als eine Frau, die Wege anlegen und Spuren setzen muss, hat das Leben bisweilen Schwierigkeiten und grosse Herausforderungen auf Lager.

Pia Gadenz stammt aus Meiringen, wuchs in Interlaken auf. Nach dem Handelsdiplom arbeitete sie in Bern und Lausanne. Die Zeit allein liess sie «aufwachen», wie sie später im «pfarrblatt» schreibt. Sie holte die Matura nach, lernte die alten Sprachen, begann mit dem Studium der Theologie und Philosophie. Als Werkstudentin war auch da ihr Weg kein einfacher. Mit 33 Jahren schloss sie das Studium mit dem Lizentiat ab. Anschliessend arbeitete sie dann gut zehn Jahre lang zunächst als Pastoralassistentin, heute würde man Pfarreiseelsorgerin sagen, in Spiez und in Thun.

Am 17. November 1994 wird sie schliesslich Gemeindeleiterin in St. Marien Thun. Was heute selbstverständlich ist, war damals ein Politikum. Die Kirchgemeindeversammlung stimmte mit 92 Ja gegen 16 Nein und einigen Enthaltungen für Pia Gadenz. Die Wogen gingen teilweise hoch, die Wahl galt einigen als Affront. Angeblich nicht von Gott gewollt. Der Berner Oberländer titelte auf der Front: «Erste katholische ‹Pfarrerin› in Thun». Und das Thuner Tablatt schrieb: «Pia Gadenz ist in die Domäne der Priester ‹eingebrochen›.» Eine eingereichte Beschwerde wurde mangels «Erfolgsaussichten» kurz vor Weihnachten zurückgezogen. Mit dem Beschwerdeführer übrigens hat sie sich, so erzählt sie, getroffen. Man trank einen Schluck Wein, «es gab eine echte Aussöhnung.»

Am 26. März 1995 wird Pia Gadenz die erste Frau im Kanton Bern, die offiziell vom Regierungsstatthalter als katholische Gemeindeleiterin eingesetzt wird. Weil das bernische Staatskirchenrecht in dieser Sache keine Rücksicht auf das katholische Kirchenrecht nimmt, wird sie als «Pfarrerin» der Pfarrei St. Marien Thun installiert.

Die Wegbereiterin in Leitungsfunktionen hat auch hier Spuren gelegt. Pia Gadenz erinnerte damals in einem Zeitungsartikel an die Apostelinnen Priscilla und Junia, an die grossen biblischen Frauengestalten Magdalena, Esther oder Ruth. Es gehe immer darum, die frohe Botschaft weiterzutragen. Zu diesen vergessenen Wurzeln müsse man zurückkehren.

Sie liebe ihren Beruf, schreibt die couragierte Theologin später, bei ihrem Abschied als Gemeindeleiterin von Thun. «Spannung, Akzeptanz, Ablehnung, Hoffnung! Dies zeichnet meinen Beruf und mein Leben selbst aus. (...) Die Freude am Dienst und die Liebe zur Kirche sind heute dringender denn je! Das heisst nicht, dass diese meine Kirche mir nicht auch auf dem Magen liegen darf. Überall sollte aber das Rezept der Freude und der Liebe angewendet werden.»

Im «pfarrblatt» schrieb sie, sie verstehe ihre Arbeit mehr als nur «Dienst nach Vorschrift». Es sei ein klarer Auftrag, der sie ganz persönlich angehe: «In der Sorge füreinander, den Blick auf Christus nicht aus den Augen zu verlieren.» Sie versuche ihren Weg als Frau zu gehen, «in der Gemeinschaft ‹meiner› oft allzu menschlichen Kirche.»

Mit der Gründung des Pastoralraums Oberland 2013 wurde Pia Gadenz einmal mehr Vorreiterin. Der Pastoralraum umfasst sieben Pfarreien in sechs Kirchgemeinden mit insgesamt 27'000 Katholik*innen. Pia Gadenz übernimmt die neu geschaffene Stelle der Koordinatorin. Was die Stelle alles soll und kann und muss – es obliegt Pia Gadenz vorzuspuren, aufzubauen, herauszufinden. Einmal mehr bereitet sie den Weg vor, bestellt den Garten – die Ernte überlässt sie auch hier anderen.

In zahlreichen anderen Gremien hat Pia Gadenz gewirkt und sich engagiert. Zu nennen sind etwa die diözesane liturgische Kommission oder der Vorstand der «pfarrblatt»-Gemeinschaft. Nun tritt sie kürzer. Die Liturgie-Liebhaberin wird mit Sicherheit da und dort in den Pfarreien im Kanton weiterhin anzutreffen sein. Wir wünschen ihr alles Gute, eine reiche Ernte und viele schöne Wanderungen auf vorgespurten Wegen, zusammen mit ihrem Mann.

Andreas Krummenacher

26. November 2019
erstellt von «pfarrblatt» online
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