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Populismus: verführtes Volk

«Kreuzige ihn, kreuzige ihn!» In den Evangelien steht, Priester hätten die Leute überredet, den Tod Jesu zu fordern. Wenn es so war: Warum dieser Umschwung der Leute von der Bewunderung zur Ablehnung von Jesus? Oder waren es bloss andere Leute, etwa Anhänger des Aufständischen Barrabas? Die Episode beschreibt, was die Menschheitsgeschichte oft bestätigt: Menschen lassen sich verführen. Gewitzte Wortführer von Politik, Wirtschaft und Religion verstehen es, dem Volk nach dem Mund zu reden und es gefügig zu machen. Sie mobilisieren Ängste und Ressentiments und präsentieren ihm einfache Lösungen für komplexe Probleme. Dabei spannen sie die Leute meist für ihre eigenen Interessen ein. Populismus mag gelegentlich harmlos sein, kann aber sehr schnell gefährlich werden und in Kriegen enden. Ich zögere, die religiöse Volksfrömmigkeit als populistisch zu bezeichnen. Viele Menschen haben das Bedürfnis – und Anrecht? – auf ein einfaches Weltbild mit emotionsstarken Traditionen. Es kann Menschen zu bewundernswerten Taten bewegen. Es kann aber auch zu autoritätsgläubigem, kritikunfähigem Fanatismus führen und beispielsweise das zentrale Anliegen von Jesus – die Gottesliebe in Form der Nächsten- und Feindesliebe – verdrängen. Dann gewinnen die Wortführer totale Macht über die Leute und können sie – angeblich im Namen Gottes – zu Terror und Krieg anstiften. Dem Populismus entgegenwirken kann nur ideologiefreie Bildung. Darum machen die Populisten sie schlecht.

José Balmer vertritt seine persönliche Sicht. Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

26. März 2014