Das Haus der Religionen am Europaplatz in Bern. Foto: Pia Neuenschwander

Präsidium bleibt in katholischer Hand

GLOSSE / Das Haus der Religionen (HdR) hat gewählt. Präsidentin Gerda Hauck kündigte ihren Rücktritt bereits vor einem Jahr an, nun steht ihre Nachfolgerin fest: Regula Mader, ehemalige Regierungsstatthalterin und langjähriges Mitglied des HdR-Stiftungsrates.

Die Generalversammlung des Vereins «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen» hatte dieses Jahr ein besonderes Traktandum: Die Neuwahl einer Präsidentin oder eines Präsidenten. Noch-Präsidentin Gerda Hauck führte durch den Abend und absolvierte Traktandum um Traktandum auf effiziente Weise. Da selten ein Widerspruch zu erwarten war, zählte sie nur Gegenstimmen und Enthaltungen. Und deren gab es meist null. Die Stimmenzähler waren arbeitslos. Die Reden und Zeremonien zu Haucks Abtritt nach zehn Präsidialjahren zeugten von Hochachtung und freundschaftlicher Verbundenheit.

Wie bei fast allen Traktanden zuvor, ging auch die Wahl ihrer Nachfolgerin einstimmig über die Bühne. Regula Mader hiess die – einzige – Kandidatin; sie war war praktisch seit Anbeginn der Vereinsgründung im Jahr 2002 in unterschiedlichen Formen engagiert und involviert. Die Juristin sass unter anderem mehrere Jahre im HdR-Stiftungsrat, jenem Gremium, das die Finanzierung sicherstellt. Einen Namen gemacht hatte sie sich auf dem politischen Parkett. 1996 wurde die SP-Frau erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bern, vier Jahre später nahm sie den Platz der Regierungsstatthalterin des Amtbezirks Bern ein. Nach zwei Jahren als Direktorin der Universitären Psychiatrischen Dienste amtet sie seit 2015 als Direktorin des Wohnheims Riggisberg für Menschen mit Behinderungen. Bei der Frage nach allfälligen Gegenstimmen schnellte keine Hand hoch – und so heisst die neue HdR-Präsidentin Regula Mader.

In einer kurzen Vorstellungsrede outete sich die einst linke Feministin als Katholikin – keine typische Kombination. Was besonders auffällt: Mit dem Stabswechsel von Hauck zu Mader bleibt das Präsidium dieses interreligiösen Vereins fest in katholischer Hand. Hoppla, das sorgt für Kopfzerbrechen. Zufall oder Strategie? «Die Auswahl des Präsidiums erfolgte nach keinem religiösen Proporz», betont Gerda Hauck auf Anfrage. «Im Vordergrund standen die im Stellenprofil beschriebenen Qualifikationen einschliesslich einer ausgeprägten Dialogfähigkeit. Applaus kam aus allen Ecken.» Werden ausgeprägte Kritiker dennoch ins Grübeln kommen? Ging das mit rechten Dingen zu? War es ein Wink des Vatikans für eine Mission im interreligiösen Umfeld? Oder war der Wechsel von Frau zu Frau in diesem weltweit einmaligen Geflecht von acht Glaubensrichtungen im Gegenteil eine Demonstration gegen ewiggestrige Patriarchen in Rom? So oder so: Man wird es wohl nie erfahren. Über dieser Frage schwebt – typisch katholisch – ein Mantel der Diskrektion...

Hannah Einhaus

21. Juni 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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