Helen Hagemann (14. Februar 1950 – 25. April 2021). Foto: 1995, Archiv

Konsequent bis zur Kompromisslosigkeit

Helen Hagemann – Theologin und ehemalige Pfarreiseelsorgerin in Bern, Biel und Guatemala – ist am 25. April im Alter von 71 Jahren in Saanen gestorben. Das teilt das Bistum Basel mit.

Von Andreas Krummenacher

Zeitlebens sei sie eine Suchende gewesen, sagen Menschen, die Helen Hagemann gekannt und auf ihrem Weg ein Stück weit begleitet haben. Sie war sehr engagiert, voller Tatendrang, mit einem Korb voller Ideen. Sie habe Kinder geliebt, ihr Religionsunterricht bleibt nachhaltig positiv in Erinnerung. Gleichzeitig war sie sehr konsequent. Sie wolle dem Leben auf die Spur kommen und den Fragen dahinter. Persönlich sah sie sich der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Strikt und bisweilen kompromisslos.

Alle diese Themen würden, so Helen Hagemann 1995 im «pfarrblatt»-Interview, im Kleinen anfangen, in den Familien, im eigenen Haushalt. Sie suche auch selbst nach Machtstrukturen. Sie frage sich ständig, wo sie Druck ausübe. Sie hinterfrage ihren Lebensstil, esse bewusst. Sie setze überall auf nachhaltige Produkte. «Ich bin überzeugt», so Helen Hagemann, «dass Mitweltschutz erst effizient wird, wenn wir lernen, die Natur um ihretwillen zu schützen (Liebe) und nicht, weil wir darauf angewiesen sind.»

Vom Programmieren zur Theologie

Geboren wurde sie am 14. Februar 1950 in Basel. Sie war in ihrer Jugend viele Jahre aktiv im Blauring. Nach der Matura liess sie sich zur Werbefotografin ausbilden und arbeitete kurze Zeit auf dem Beruf. Dann aber wurde sie Programmiererin und Computeranalytikerin. 16 Jahre lang organisierte und programmierte sie für Firmen kommerzielle Computer.

Befriedigung und Zufriedenheit, wie sie gegenüber dem «pfarrblatt» sagte, fand sie aber nicht. Der Glaubenskurs führte zur Ausbildung zur Katechetin und schliesslich zum Theologiestudium auf dem dritten Bildungsweg in Luzern.
In der Pfarrei könne man gemeinsam auf die Suche nach den christlichen Werten gehen und danach fragen, wie man diese im Alltag leben könne. «Andererseits ist die Pfarrei ein Ort, an dem alle Menschen Raum und Zeit finden für ihre Anliegen und Probleme, Raum und Zeit, um Ruhe zu finden, Raum und Zeit, um gemeinsam zu feiern.»

Kirchenkritische Seelsorgerin

Ihre kirchliche Laufbahn begann sie in Spiez, hier war sie ab 1991 Praktikantin und Jugendarbeiterin. Gegenüber der Kirche aber blieb sie stets kritisch, Hierarchien waren ihre Sache nicht. Das Interview gab Helen Hagemann dem «pfarrblatt» zu Beginn ihrer Zeit in Bruder Klaus Bern. Zusammen mit Peter Spinatsch übernahm sie da die Pfarreiseelsorge. Danach zog sie weiter nach Biel. Anschliessend lebte sie sechs Jahre lang als Theologin in Cahabón (Guatemala), bis zuletzt blieb sie eng mit diesem Land verbunden.

Sie hat sich in Hilfswerken, Vereinen und Netzwerken für die Menschen und die Natur in Guatemala eingesetzt. Sie nahm dabei stets Jugendliche und Frauen besonders in den Blick, die feministische Theologie gab ihr viele Impulse. Ein wichtiger Teil ihres Engagements sei darum auch die Unterstützung von Frauen in Guatemala gewesen. 2010 kehrte sie in die Schweiz zurück, zunächst zog sie nach Zweisimmen, schliesslich lebte sie bis zu ihrem Tod in Saanen, zuletzt in einer Pflegeeinrichtung.

Sie fotografiere immer noch leidenschaftlich gerne, sagte Helen Hagemann 1995 im Interview mit dem «pfarrblatt». Sie sei eng mit der Natur verbunden, sie reise gerne und «ich bin handwerklich begabt. Daraus ergibt sich mein besonderes Hobby, das Umbauen von alten Bauernhäusern». In einem solchen wohne sie gerade, so Helen Hagemann, zusammen mit Hund und Katze.

Der Beerdigungsgottesdienst findet am Freitag, 7. Mai 2021, um 10:30 Uhr in der Kirche St. Franziskus in Zweisimmen statt.

4. Mai 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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