Rechtspopulismus und Christentum

In vielen Ländern Europas und in den USA ist zu beobachten, dass der Rechtspopulismus an politischer Bedeutung gewinnt.

Rechtspopulisten spielen mit der Angst vor Überfremdung der «Heimat» und setzen in den Neuen Medien gezielt manipulierte Nachrichten (Fake News) in die Welt, um Menschen für ihre politischen Ziele zu manipulieren. Was können wir als Christinnen und Christen dem entgegensetzen?
In der Rotonda der Dreifaltigkeitskirche Bern findet am Samstag, 18. November, eine interessante ökumenische Tagung zum Verhältnis von Rechtspopulismus und Christentum statt.

Ich aber sage euch
Die ökumenische Tagung «Ich aber sage euch – Biblische Einsprüche in populistischen Zeiten» greift diese Thematik auf und versucht die Frage mithilfe der Bibel zu beleuchten. Das «Ich aber sage euch …» im Titel der Tagung stammt aus der Bergpredigt Jesu und bringt zum Ausdruck, dass Jesus seine Wahrheit gegenüber einer weit verbreiteten Meinung mutig und ohne Hemmungen vor einer Masse von Menschen vertreten hat.

Refrainartig bringt Jesus herrschende Überzeugungen zum Ausdruck, indem er sagt «Ihr habt gehört, dass …» und widerspricht genau dieser Meinung mit seinem «Ich aber sage euch …». Er setzt seine Wahrheit der anderen, vorherrschenden Überzeugung entgegen. Diese Haltung Jesu kann uns als Vorbild dienen, mutig unsere christliche Ansicht zu vertreten. Doch was ist christlich angesichts der Migrationsströme und der Pluralisierung unserer Gesellschaft?

Was ist christlich?
Zur Beantwortung dieser Frage lohnt es sich, auf das Neue Testament und auf eine fundierte theologische Expertise zu hören. Dies ist gerade deswegen wichtig, weil viele Rechtspopulisten sich auf christliche Werte und biblische Zitate beziehen, um ihre fremdenfeindliche Politik zu untermauern.

Gerade dieses aktuelle politische Geschehen zeigt erneut, wie wichtig der Impuls der Reformatoren gewesen ist, die Bibel gründlich zu lesen und auszulegen. Die Tagung wählt nun genau diesen reformatorischen Weg, um aus der Bibel heraus christliche Einsprüche gegenüber dem Rechtspopulismus geltend zu machen. Dazu sind viele interessante Referierende aus dem In- und Ausland eingeladen.

Vormittags kommen Theologinnen aus Polen, den USA und Brasilien zu Wort. Die polnische Theologieprofessorin Elzbieta Adamiak referiert über die polnische «Theologie der Nation», die Brasilianerin Nancy Cardoso stellt den Zusammenhang zwischen rücksichtsloser kapitalistischer Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen am Beispiel der Mienenpolitik in Lateinamerika her. Die in den USA dozierende Neutestamentlerin Brigitte Kahl wird aufgrund des biblizistischen Bezuges des US-amerikanischen Rechtspopulismus ausloten, inwiefern Paulus zu einem Protest gegenüber dieser unheiligen Allianz dienlich sein könnte.

Nachmittags steht eine Bandbreite von Workshops zum Thema zur Auswahl. Die Tagung beginnt um 08.30 und endet um 16.15. Die Fachstelle Kirche im Dialog der Katholischen Kirche Region Bern und der Fachbereich OeME-Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn laden dazu ein.

Der Anmeldeschluss ist am 7. November bei oeme(at)refbejuso.ch.

Martina Bär

Flyer

Fachstelle Kirche im Dialog

18. Oktober 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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