«Es ist kein Religionskrieg.» Kardinal Dieudonné Nzapalainga und Imam Abdoulaye Ouasselegu. Foto: Sabrina Durante

Reden für den Frieden

Interreligiöser Dialog in Aktion: Kardinal Dieudonné Nzapalainga und Imam Omar Kobine Layama reisen durch die Zentralafrikanische Republik, um verfeindete Gemeinschaften wieder zum Reden zu bewegen. Vom 6. bis 12. September touren sie mit dem Film «Siriri» durch die Schweiz. Eine Begegnung.

Von Sabrina Durante

Die Zentralafrikanische Flagge wird durch einen markanten roten Balken zweigeteilt: ähnlich sieht die Spaltung im Land aus – auf der einen Seite die Christen, auf der anderen die Muslime. Seit Jahren tobt ein Bürgerkrieg im Land, die eine Rebellenfraktion bezeichnet sich als christlich, die andere als muslimisch. Morden, Plündern und Vertreiben tun sie beide – und sie stacheln Menschen gegeneinander auf.

So herrscht in zahllosen Gemeinden, in denen schon immer Christen und Muslime friedlich zusammengelebt hatten, nun ein grosses Misstrauen gegenüber den «Anderen». «Unsere Regierung ist korrupt und hat die Lage nicht unter Kontrolle», erzählt der Kardinal nach der Filmvorführung.

«Die Blauhelme sind hilflos, und die bewaffneten Rebellen halten das Volk seit über zehn Jahren als Geisel. Gegen aussen wird das als Religionskrieg ausgegeben – doch den Rebellen geht es um die Macht, um die Bodenschätze.»

Es ist kein Religionskrieg – so lautet das Mantra des Kardinals und des Imams, das sie den Menschen in den abgelegensten Gebieten des Landes näherbringen.

Gemeinsam als Vorbilder für den Dialog

Der Kardinal kann auf das grosse Netzwerk der katholischen Kirche im Land zählen, er reist umher, fährt seinen Jeep selber durch Schotterpisten, verzichtet auf Soldatenschutz und verhandelt direkt mit den allgegenwärtigen Rebellen, die Strassenblockaden errichten. Der Imam kam vor Jahren auf den Kardinal zu: «Du erreichst nur die Hälfte der Menschen. Wenn wir gemeinsam auftreten, fühlen sich alle angesprochen. Und wir beweisen, dass dieser Krieg nichts mit der Religion zu tun hat.»

Der Imam aus dem Film verstarb Ende 2020. Doch sein Nachfolger, Imam Abdoulaye Ouasselegue, führt seine Arbeit weiter: gemeinsam mit dem Kardinal reisen sie durch das Land und bringen die Menschen dazu, miteinander zu reden. «Therapie de la parole» – «Worttherapie» nennen sie das. Erst kürzlich, Ende August, kamen sie in die Stadt Obo, ganz im Osten des Landes, wo das Volk gegen die Rebellengruppe der Fakas und gegen die Blauhelme aufbegehrt.

Alle bisherigen Mediationsversuche schlugen fehl, doch als sie kamen, zeigten sich die Menschen gesprächsbereit: «Wir werden immer von allen manipuliert, aber euch religiösen Leadern glauben wir», hiess es. Die beiden Gottesmänner lassen alle Parteien zu Wort kommen, vermitteln, helfen, Abmachungen zu treffen, an denen sich dann alle halten - «Ein Bisschen wie die Demokratie in der Schweiz», findet der Kardinal.

Wenn ich in meiner Angst gefangen bleibe, ist keine Begegnung möglich

«Wenn man den anderen nicht kennt, erscheint er einem als Teufel, als Gefahr», erzählt der Imam. «Wir müssen den Schritt zum anderen hin machen, um uns selbst ein Bild zu machen, um ihn als Mensch zu erkennen.»

Die beiden riskieren täglich ihr Leben, wurden bereits mehrmals angegriffen, doch sie machen unbeirrt weiter: «Wenn ich in meiner Angst gefangen bleibe, ist keine Begegnung möglich», findet der Kardinal. Längst sind sie nicht mehr allein: immer mehr Priester und Imame aus dem ganzen Land schliessen sich ihnen an, um ihre «Worttherapie» auch in ihre Dörfer zu bringen. Auch Jugendliche und Frauen sind in diese Mission unterwegs, um jeweils ihre Gruppe anzusprechen und den Weg zu mehr Toleranz zu bahnen.

Der Film «Siriri» läuft ab sofort im CineCamera Bern. Kaufen Sie eine Kinoticket mit 50% Rabatt. Wie das geht, erfahren Sie  auf diesem Flyer

 

 

10. September 2021
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus