Wundersame Reliquienverehrung. Foto: complize / photocase.de

Reliquienverehrung, die –

Kaum eine katholische Tradition findet solch leidenschaftliche Ausprägungen wie der Reliquienkult. In Prozessionen und aufwendigen Feiern werden sie verehrt: Knochen, Fingernägel, Haare, Blut, Zähne und was von Heiligen sonst noch konserviert werden kann.

Neben menschlichen Überresten finden sich in katholischen Kirchen rund um die Welt Nägel vom Kreuz sowie Stücke desselbigen, Sandalen, Gewänder oder Leichentücher Jesu sowie dessen Vorhaut, und davon mindestens 14 Stück. Aber ist das noch katholisch?

Reliquien werden in drei Kategorien unterteilt: Erstklassige Reliquien wurden dem oder der Heiligen selbst entnommen. Vornehmlich Gebeine sind beliebt: Ex ossibus, aus den Knochen, werden diese Reliquien dann genannt.
Zweit- und drittklassige Reliquien sind entweder Gegenstände, die der Heilige berührt hat, oder solche, die mit einer erstklassigen Reliquie in Berührung gebracht wurden – in Wallfahrtsorten werden beispielsweise kleine Stoffstücke verkauft, die auf die Gebeine eines Heiligen gelegt wurden.

Der christliche Glaube tut sich eher schwer mit der Verehrung von Reliquien. Einerseits wird von einem gläubigen Christen die Achtung des toten Körpers gefordert – dies könnte insofern als erfüllt betrachtet werden, als die Einzelteile von Heiligen mit möglichst viel Gold umhüllt werden. Andererseits manövriert die Reliquienverehrung immer hart an der Grenze zum Götzendienst.

Selbstverständlich stellt die Kirche fest, dass Reliquien nicht magische Gegenstände sind, die Heil garantieren. Dennoch führt der Hang des Menschen zu Talismanen aller Art dazu, dass die Reliquie als solche missverstanden werden kann.

Jedoch: Göttliche Macht kann nicht durch einen Gegenstand kanalisiert und auf den Menschen übertragen werden. Kritisch zu beurteilen sind Reliquien auch als «Brücke für die Sehnsucht nach Gottesnähe». Der Mensch sehnt sich danach, den unmöglich fassbaren Gott zu vergegenständlichen. Das käme jedoch einem Goldenen Kalb gleich. Und wir wissen alle, wie das endete.

Sebastian Schafer

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18. April 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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