Gian Pergher chauffiert eine Frau mit der Velo-Rikscha im Altersheim Fahr in St. Margrethen. Foto: Monika von der Linden

«Rikscha-Cruisen mit Senioren ist mega lässig»

Rikscha statt Rollstuhl: Diese Idee hatte Gian Pergher (16), Altenpflege-Praktikant in St. Margrethen im St. Galler Rheintal. Er kaufte auf eigene Kosten eine Velo-Rikscha mit Elektro-Motor – damit Senioren etwas von ihrer Heimat sehen.

von Raphael Rauch, kath.ch


Rikscha statt Rollstuhl und Rollator – wie kamen Sie auf die Idee, eine Senioren-Rikscha anzuschaffen?

Gian Pergher: Zu meinem Praktikum im Altersheim Fahr in St. Margrethen gehört eine Projektarbeit. Im Internet habe ich ein Video mit einer Rikscha gesehen, die Senioren rumkutschiert. Ich habe mir gedacht: So etwas könnten wir doch auch gut gebrauchen!

Welche Vorteile bietet eine Rikscha?

Es ist ganz schön anstrengend, einen Rollstuhl länger zu schieben. Und man legt keine weiten Strecken zurück. Deswegen war es mir wichtig, dass die Rikscha einen Elektro-Antrieb hat. Ich möchte, dass die Senioren zu ihrem alten Haus oder in ihr Lieblingsrestaurant fahren können.

Wie kamen Sie an die Rikscha?

In der Schweiz gibt es zwei Werkstätten, die Rikschas aus Deutschland umbauen. Die Rikscha hat einen Elektro-Motor und der muss für die Schweiz gewisse Kriterien erfüllen.

Und was kostet der Spass?

11'000 Franken. Ich habe das Geld selbst aufgebracht. Als Praktikant habe ich natürlich nicht so viel Geld, aber meine Mutter hat mich unterstützt. Sie betreut ehrenamtlich im Altersheim Senioren und hat die Rikscha-Idee von Anfang an cool gefunden.

Vielen finden Ihre Idee grossartig. Sind sie aber auch bereit, sich an den Kosten für die Rikscha zu beteiligen?

Nein. Bislang kamen etwa 3000 Franken zusammen. Alle loben mich. Wenn es aber um eine konkrete finanzielle Unterstützung geht, lässt die Begeisterung nach.

Apropos Geld: Liegt es eigentlich am Salär, dass so wenige Schweizer*innen in der Altenpflege arbeiten wollen?

Das liegt eher an den Tätigkeiten. Viele finden das körperlich und psychisch anstrengend. Oder sie ekeln sich davor, alte Menschen zu waschen und zu pflegen.

Was reizt Sie an der Altenpflege?

Mir macht der Job einfach Spass! Ich bin gerne mit alten Menschen zusammen. Ich kann mich wunderbar mit ihnen unterhalten. Das war schon früher so. Ich bin schon als Achtjähriger mit meiner Mutter ins Altersheim. Wir haben die Senioren dann im Rollstuhl rumgefahren. Frische Luft tut allen gut, den Jungen genauso wie den Alten.

Wie reagieren die Senioren im Altersheim Fahr auf Ihre Rikscha?

Die finden das klasse. Senioren sind mutiger, als man denkt. Die haben keine Angst, steigen einfach ein. Die Rikscha hat einen Sicherheitsgurt. Oder einen Ypsilon-Gurt, wenn die Körperhaltung nicht gut ist und wir auf Nummer Sicher gehen wollen.

Fahren Sie mit der Rikscha auch im Winter?

Ich fahre gar nicht, das machen die Zivildienstleistenden.

Warum? Das war doch Ihre Idee…

Ja, aber ich bin woanders gefordert. Und zuerst durfte ich die Rikscha gar nicht fahren, weil ich noch nicht 16 Jahre alt war. In der Schweiz ist die Roller-Prüfung ja erst mit 16 möglich. Die habe ich mittlerweile, aber ich überlasse die Rikscha gerne den Zivis. Es geht ja nicht um mich, sondern um die Senioren. Die Rikscha ist ein Geschenk ans Altersheim. Die Zivis finden das Rikscha-Cruisen mit Senioren mega lässig.

Hat sich das Altersheim schon mit einer Lehrstelle revanchiert?

Ja, aber nicht wegen der Rikscha, sondern weil sie insgesamt mit mir zufrieden sind. Nach einem Jahr

Und mit einer Rikscha zum Unfall eilen?

Pergher: (lacht) Nein, mit einem richtigen Krankenwagen.

Ihr Engagement war auch Thema im katholischen Pfarreirat. «Alle bewunderten das Feuer dieses jungen Manns», hiess es in einer Mitteilung. Sind Sie religiös?

Nein. Meine Eltern sind aus der Kirche ausgetreten. Ich weiss nicht mal, ob sie reformiert oder katholisch waren. Ist aber nicht so wichtig, oder? Wichtig ist doch, dass man einander hilft und füreinander da ist.

13. Januar 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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