Sr. Gaudentia (l) mit ihrer langjährigen Mitarbeiterin Winnie Williams und deren Sohn. Foto: zVg

Mit Rosenkranz gegen Hexenverfolgung

Die Baldegger Sr. Gaudentia Meier (*1939) wirkte fast 50 Jahre lang als Missionarin in Papua-Neuguinea. Davon erzählt das Buch «Mit Gottvertrauen im Gepäck» der Journalistin Helene Arnet.

Autorin: Sylvia Stam

«Missionieren – darf man das?», fragt Helene Arnet. «Wenn das Ziel des Missionierens die Bekehrung zum Christentum ist, nein, das darf man nicht», entgegnet Sr. Gaudentia Meier im Buch. «Es ging ausschliesslich darum, wie wir am besten helfen können.» Helfen, das bedeutet im Fall von Sr. Gaudentia und ihren vier Mitschwestern: Frauen bei ihren Geburten beizustehen, medizinische Grundversorgung anzubieten, Impfstoffe gegen Masern, Tuberkulose oder Starrkrampf aufzutreiben und zu verabreichen, eine Schule aufzubauen, Pflegepersonal auszubilden, über Aids aufzuklären und gegen Hexenverfolgung zu kämpfen. Glaubensverkündigung steht – zumindest im Buch – nicht im Vordergrund.

Pragmatisches Handeln

Sr. Gaudentia Meier, 1939 in Waltenschwil (AG) geboren, tritt 1961 ins Kloster Baldegg ein, obschon sie nicht besonders fromm war: «Ich bete schon gern», sagt sie im Buch, «aber indem ich etwas tue.» Als Missionarin wirkt die Krankenschwester und Hebamme ab 1969 in Det, einem Dorf im südlichen Hochland von Papua-Neuguinea. Helene Arnet stellt das pragmatische Handeln von Sr. Gaudentia in den Vordergrund ihrer Schilderungen. Das zeigt sich etwa bei der Aids-Aufklärung: Wenn sexuelle Abstinenz und Treue nicht gelängen, «dann benutze ein Kondom», rät sie den Einheimischen. Dass dies nicht im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche steht, weiss Sr. Gaudentia ebenso wie ihr Bischof, der ihr sagt: «Komm mich nicht fragen. Tu es einfach.»

Gespräche im Heimaturlaub

Geradezu unerschrocken handelt Sr. Gaudentia, als die örtliche Polizei nichts gegen die Folterung einer Frau unternimmt, die der Hexerei bezichtigt wird. «Wer von euch ist katholisch!», habe sie in die Menge gerufen. «’Kommt, jetzt beten wir zusammen. ’ Ich betete laut den Rosenkranz, nach und nach fielen etwa 20 Frauen mit ein. Wir beteten laut. Plötzlich nahmen die Männer Christina (die gefolterte Frau) vom Holztisch herunter», berichtet sie.
Die Autorin und Journalistin Helene Arnet hat Sr. Gaudentia mehrmals auf deren Heimaturlaub zu Gesprächen getroffen, zu Wort kommen ausserdem ihre Geschwister und Mitschwestern. Zusammen mit Informationskapiteln zur Geschichte Papua-Neuguineas, der Baldegger Schwestern und zum Begriff Mission ergibt dies ein umfassendes Bild des Wirkens von Sr. Gaudentia. Diese kehrt 2018 aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz zurück, sie lebt heute in Hertenstein.

Helene Arnet: Mit Gottvertrauen im Gepäck. Hier und Jetzt-Verlag 2020. ISBN: 9783039195152

Dieser Beitrag erschien zuerst im Kantonalen Pfarreiblatt Luzern.


Weimarer Menschenrechtspreis

Auch die Baldegger Sr. Lorena Jenal (*1950) engagiert sich in Papua-Neuguinea gegen Hexenverfolgung. Sie versucht, deren Ursachen zu identifizieren, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Glaube an Hexerei spiele dabei eine Rolle, aber auch Not, soziale Krisen und mangelnde Bildung. Sr. Lorena spricht mit den Peiniger*innen und geht auch gegen das Nichtstun staatlicher Behörden vor. Für ihren Einsatz gegen Hexenverfolgung wurde sie 2018 mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet.
Informationen: sr-lorena.ch

19. Januar 2021
erstellt von «pfarrblatt» online
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