Die Arbeitsbedingungen von Fabrikarbeiterinnen in Zentralamerika sind oft miserabel.

Arbeiten unter Einsatz von Leben und Gesundheit

Schaffen wir Gerechtigkeit!

Was bedeutet Gerechtigkeit? Wann ist etwas ungerecht? Habe ich den Mut, für die Rechte anderer mit Wort und Tat einzustehen? Diesem komplexen aber sehr grundsätzlichen Thema widmet sich die diesjährige Mai-Aktion von Brücke • Le pont.


Nach dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit müssen wir uns auch mit der Unbarmherzigkeit auseinandersetzen. Auch wenn es «auf Erden» nie vollkommene Gerechtigkeit geben wird, so ist es doch unsere Aufgabe als Christen, uns zugunsten der betrogenen und gedemütigten Menschen für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

David gegen Goliath
Für Selma ist Ungerechtigkeit nicht einfach ein leeres Schlagwort. Selma lebt in Honduras und kann sich mit ihrer Arbeit in einer Textilfabrik nur knapp über Wasser halten. Die 20-Jährige ist hochschwanger. Als sie sich bei der Ärztin der Firma mit Schwellungen und Ausschlägen meldet, meint diese: „Es ist nicht schlimm, gehen Sie wieder zur Arbeit!“ Als Selma kurz darauf in Ohnmacht fällt, ruft der Assistent die Ambulanz. Sie wird ins Spital gebracht und kann dort ihr Kind gebären. Aber sie hat Nierenversagen, und zwar so anhaltend, dass sie seither und für den Rest ihres Lebens drei Mal pro Woche zur Dialyse gehen muss. Untersuchungen zeigen, dass die Arbeit Schuld an ihrer Erkrankung ist. Die Firma hat Selma entlassen und will von allem nichts wissen.
Die Partnerorganisation von Brücke • Le pont hat sich des Falls angenommen, berät Selma und hat das Unternehmen auf Schadenersatz verklagt. Noch ist der Fall hängig. Wie Selma ergeht es Tausenden von Arbeiterinnen in Zentralamerika. Sie schuften in Textilfabriken oder in der Heimarbeit doch die Arbeitsbedingungen und der Lohn sind in sehr vielen Fällen miserabel.

Der Mensch wird zur Maschine
In manchen Fabriken beträgt die Essenszeit nur 10 Minuten. Während der Arbeit dürfen die Arbeiterinnen nicht trinken, weil sie dann zur Toilette gehen müssten. Der Produktionsprozess funktioniert wie ein Förderband: Wenn eine Frau in Rückstand gerät, kommt sie unter Druck durch die Arbeiterinnen vor und hinter ihr. Das belastet sie nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Denn die Frauen wollen nicht schuld sein, wenn die Produktion dem strengen Rhythmus nicht folgen kann und dann alle bestraft werden. Kommt hinzu, dass die Frauen auch zu zwei Schichten an je 10 Stunden hintereinander gezwungen werden können. Wer sich widersetzt, verliert die Stelle.

Die Mai-Aktion 2017 greift das Schicksal dieser Fabrikarbeiterinnen unter dem Motto „Schaffen wir Gerechtigkeit!“ auf. Dafür erhalten alle Pfarreien einen Gottesdienstvorschlag. Die Kollekte geht an Projekte von Brücke • Le pont. Denn das KAB-Hilfswerk unterstützt in Honduras und El Salvador Frauenorganisationen, die sich um Fälle wie jenen von Selma kümmern.

Andreas Jahn, Kommunikation und Entwicklungspolitik, Brücke • Le pont

Weitere Infos zur Maiaktion finden Sie HIER
Brücke • Le pont , Rue St-Pierre 12, 1700 Freiburg info(at)bruecke-lepont.chwww.bruecke-lepont.ch Spendenkonto: PC 90-13318-2

3. Mai 2017
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Brennpunkte
  • Soziales