Ein zentraler Auftrag des Christentums: Vergebung. Foto: Milada Vigerova, unsplash

Schuld, Sünde, Versöhnung....

Schuldig will niemand sein, und gesündigt wird vor allem beim Verschlingen zu vieler Kalorien. Und plötzlich tauchen diese Begriffe in alten Fragen wieder auf: Kommen wir schon als schlechte Menschen auf die Welt? Was ist Sünde? Wie ist es möglich, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist?


Von Markus Arnold


Eigentlich hoffen wir, dass der Mensch nur gut ist. Doch wir werden immer wieder eines Besseren belehrt. In der Politik beginnt sich eine Kultur des Lügens zu etablieren, der Zweck heiligt da jedes Mittel. Demokratien werden in Ost und West abgebaut, Menschen ohne Schutz durch den Rechtsstaat schikaniert. Von der Umwelt wollen wir lieber nicht reden, wir organisieren neben den unvermeidlichen Naturkatastrophen immer mehr zusätzliche hausgemachte Katastrophen. Es fällt schwer, einfach so an das Gute im Menschen zu glauben.

Irgendetwas stimmt nicht: Viele sind heute besorgt, haben Zukunftsängste. Es läuft nicht gut. Die Fehler werden klar benannt. Aber schuldig ist niemand oder dann eben die Wirtschaftsbosse und die Politiker*innen. Denselben Mechanismus finden wir auch im Kleinen: ja nicht schuldig werden. Das gibt Schuldgefühle, und die will man nicht haben.

Die Kirche setzt sich seit bald zweitausend Jahren mit dem Thema auseinander. Schon zur Zeit Jesu hatten die Menschen unter ihrer Schuld gelitten. Sehr oft wurden sie deswegen auch an den Rand der damaligen Gesellschaft gedrängt. Jesus provozierte durch seine Grosszügigkeit in der Vergebung von Schuld und Sünde. Er machte diese Praxis auch zu einem zentralen Auftrag für seine Kirche. Diese tut sich aber auch schwer mit ihrer eigenen Schuld. Der Umgang mit Schuld in den Missbrauchsskandalen stellt jener Gemeinschaft ein schlechtes Zeugnis aus, welche eigentlich die grösste Kompetenz in diesen Fragen beanspruchen sollte.

Denn auch etwas anderes ist zu beobachten: Der Ruf nach Versöhnung ist gross, im Kleinen wie im Grossen. In der Politik hat es sich gezeigt, dass Versöhnung nur möglich ist, wenn die ganze Wahrheit über eine düstere Vergangenheit ans Licht geholt wird. Erst wenn die Täter bereit sind, ihre Schuld zu bekennen, werden Vergebung und Versöhnung möglich. Diesen harten Weg musste nach dem 2. Weltkrieg Deutschland beschreiten, aber auch in Südafrika konnte die Spaltung durch die Apartheidgesellschaft nur durch den Einsatz von Wahrheitskommissionen überwunden werden.

Das erinnert uns wiederum an unsere eigene Tradition. Schuld bekennen als Voraussetzung zur Versöhnung, das erinnert an die Beichte. Die geniesst nun allerdings kein grosses Ansehen, zum Teil auch wegen des angeschlagenen Ansehens der katholischen Kirche. Dies kann aber auch ein Grund sein, sich wieder einmal ausführlicher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der traditionelle Beichtunterricht, wie ihn viele erlebt haben, mag heute einen recht antiquierten Eindruck machen. Die Fragen nach Schuld und Sünde, das Suchen nach Vergebung und Versöhnung mit Gott und auch untereinander, waren und sind aktuell. Nachdem man sie lange erfolgreich verdrängt hatte, ist das Interesse daran in den letzten zehn Jahren wieder grösser geworden. Ich freue mich, in Bern darüber ins Gespräch zu kommen.

 

Vortrag und Gespräch mit Dr. Markus Arnold
Schuld, Sünde, Gnade und Vergebung.
Freitag, 20. März, 18.00, Krypta Dreifaltigkeit
«Herz»-Veranstaltungsreihe der Dreif: Programm


Das Thema des Busssakraments begleitet den Ethiker, Pädagogen und Theologen Dr. Markus Arnold schon lange. Innerhalb der gesellschaftlichen Veränderungen hat er sich stets für die Sache der Kirche eingesetzt, sei es als Religionslehrer und Seelsorger, als Dozent und Studienleiter des Religionspädagogischen Instituts Luzern (1999–2018) oder als ehemaliger Zürcher Synodenpräsident (1995–99) und CVP-Präsident (2004–11).
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Grundlagen der theologischen Ethik, Schuld, Sünde, Busse, Versöhnung, Menschenbilder, Grundwerte, ethische Erziehung und die Gemeindekatechese.

 

Zum Dossier «Fasten»

 

 

 

 

 

 

 

 

19. Februar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 5
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