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Seelsorge gegen schlechte Laune

In welchen Situationen bekommen Sie eine schlechte Laune, eine richtig miese Stimmung? Falls Sie das gar nicht kennen sollten, beneide und beglückwünsche ich Sie – lesen Sie fröhlich nicht weiter und geniessen Sie das Leben!

Für alle anderen: Wenn der Tag unnötigerweise bereits um 05.13 mit einer unsanften Weckattacke der Kinder versüsst wird, mir beim Morgenkaffee der Schädel brummt vom lauten Gezänke der durchaus manchmal auch friedfertigen Kinderlein, ich mich danach aufs Velo schwinge, um auf halber Strecke zu merken, dass ich einen Platten habe, ich also neben meinem Velo hertrottend schon etwas spät im Inselspital eintreffe, wo ich im Büro feststellen muss, dass mein Hemd beim Frühstück offensichtlich bereits tüchtig verkleckert wurde …
Jetzt fehlt noch, dass der Computer beim morgendlichen E-Mail-Check ein zweistündiges Update ausführen muss und ich die Unterlagen für die anstehende Sitzung nicht mehr ausdrucken kann, und mir da urplötzlich in den Sinn kommt, dass ich den Geburtstag meines Göttikindes gestern leider verschwitzt habe. Ausserdem ist die Pendenz «tiefsinnige ‹pfarrblatt›- Kolumne verfassen», notabene für Sie, geneigte Leser*innen, schon wieder fällig und der Abgabetermin bedrohlich näherkommend … Können Sie mir da meine schlechte Laune verübeln? Eben!

Ich habe ein Rezept gegen schlechte Laune gefunden: Möglichst rasch ans Patient*innenbett! Ehrlich! Denn können Sie sich einen miesepetrigen Seelsorger-Griesgram vorstellen, der in der Insel sein Unwesen treibt? Nicht doch! Man kann als Seelsorger einfach nicht schlecht gelaunt Kontakt mit Menschen aufnehmen. Ich gebe mir also innerlich einen Ruck, vergegenwärtige mir, dass ich ja nichts Geringeres als das Evangelium an meiner Seite habe, und mache frisch und freundlich einem Menschen ein Gesprächsangebot, wo es nicht um mich geht. Und schon bin ich in einer anderen Welt und die schlechte Laune verflogen.

Sie können natürlich jetzt nicht einfach alle Spitalseelsorger*innen werden, auch wenn ich es nur empfehlen kann. An Ihren eigenen Tipps und Tricks, schlechte Laune loszuwerden, bin ich allerdings interessiert, denn ich arbeite ja nicht alle Tage als Spitalseelsorger.

Kaspar Junker, ref. Seelsorger


Die Kolumne der Spitalseelsorge im Überblick

19. August 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 18
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Soziales