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News-Artikel

Serie: der gute Gott und das Böse

Naturkatastrophen, Kriege und Gewalt bringen immer wieder entsetzliches Leid über die Menschen. Dann höre ich manchmal Leute fragen: Wo bleibt Gott? Wie kann ein liebender Gott dies zulassen? An dieser Frage beissen wir uns die Zähne aus, denn es gibt keine wirklich befriedigende Antwort. Manche Religionen versuchen die Realität des «Bösen» mit einemDualismus zu erklären: Neben Gott gäbe es einen Widersacher, den Satan oder Teufel. Meines Erachtens «gibt es» diesen Widersacher nicht, er wäre ja ein zweiter Gott. Für mich ist er eine Projektion, mit der wir die eigene Bosheit – die ungezähmte Aggression – und die damit verbundene Schuld verleugnen und anderen in die Schuhe schieben: dem Teufel, dem Nachbarn, den Fremden. Warum aber gibt es Aggression? Biologen würden etwa sagen: Im Evolutionsprozess bewirkt die Aggression, dass die biologische Entwicklung vorankommt: der Stärkere frisst den Schwächeren. Wir Menschen sind aber nicht bloss Tiere, sondern verfügen über die Freiheit und Fähigkeit, unsere Aggressionen zu zügeln und ins Positive zu kehren. Wir können unsere Entrüstung über das Leid in der Welt umwandeln in die Bereitschaft, zu helfen und uns zu engagieren – und so Liebe konkret leben! Darin liegt für mich der Sinn des Ganzen. So betrachtet ist die unvollkommene, teils grausame Welt die bestmögliche Welt, weil sie Raum schafft für Freiheit und Liebe. Diese Deutung ist gewiss kein Trost für die Opfer, aber sie motiviert zumHandeln und macht Hoffnung, dass die Liebe obsiegen wird.

Das Lebenshaus unseres Glaubens gleicht einer grossen Kathedrale, an der seit nunmehr 2000 Jahren ununterbrochen gebaut wird. Unzählige Bauherren haben  daran mitgewirkt: die frühchristlichen Gemeinden und Evangelisten, der   Glaubenssinn von Millionen Menschen, das kirchliche Lehramt, Prophetinnen und   Propheten. José Balmer schreibt über seinen Glauben. Ganz persönlich. In den  1980er Jahren lebte er in Bolivien. Sein Glaube ist von den Erfahrungen in dieser  Weltgegend geprägt.

Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

26. November 2014