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Als dann noch Hollywood einen Film über die singende Dominikanerin drehte, kam es zum Bruch: Die Soeur Sourire verliess das Kloster. Foto: www.purepeople.com

Singen Ordensfrauen nur hinter Klostermauern?

Eine Nonne stürmte mit frommen Liedern in den sechziger Jahren den Schlagerhimmel. Besonders das Lied «Dominique» führte weltweit die Chartlisten an.

Wundersam begann die Karriere Schwester Luc-Gabrielles aus dem belgischen Dominikanerkloster Fichermont: Im Jahr 1960 fuhren in einemalten Citroën vier Nonnen vor dem Brüsseler Plattenstudio von Philips vor. Die Klosterdamen wollten Lieder auf eigene Kosten aufnehmen lassen und sie als Schallplatten ihren Mitschwestern zuschicken, die im Kongo missionierten.
Die Plattenprofis überkam heiliges Staunen: Schwester Luc-Gabrielle, die als Soeur Sourire in die Musikgeschichte eingehen sollte, sang zur Gitarre mit so glockenreiner Stimme, dass die Produzenten grosse Kasse witterten. Innerhalb weniger Wochen wurde «Dominique» auf den Markt gebracht und ein Riesenhit. Die Einfältigkeit des Ohrwurms verdrängte Elvis’ Schnulzen von der Spitze der Hitparaden. 800000 Platten gingen über den Ladentisch.

Der Orden, dem zum grössten Teil die Tantiemen der Soeur Sourire zuflossen, verdiente gut, aber der Rummel störte die Ruhe. Fans rissen unaufhörlich an der Klosterglocke. Die Mutter Oberin nahm Anstoss an den oberflächlichen Texten der ihr anvertrauten Klosterdame. Doch Schwester Luc-Gabrielle sang unverdrossen weiter. Als dann noch Hollywood einen Film über die singende Dominikanerin drehte, kam es zum Bruch: Die Soeur Sourire verliess das Kloster, nahm sich zusammen mit einer Freundin eine Wohnung und wollte nun alleine an ihren Liedern verdienen.
Doch heilige Lieder waren out, die Beatles in. Es nützte auch nichts, dass «Luc Dominique», wie sich die Nonne nun nennt, Gott singend für die Antibaby-Pille dankte. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem belgischen Finanzamt, das hohe Steuernachzahlungen forderte. Soeur Sourire näherte sich wieder der Kirche an und gründete ein Heim für autistische Kinder, das sie aus Geldmangel wieder schliessen musste. Wohl nicht zuletzt deswegen nahm sie sich am 30. März 1985 zusammen mit ihrer Freundin in Wavre mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.

11. November 2015
  • Bildung