Die Kirche ist beweglich – dank ihren Pilgerinnen und Pilgern. Cartoon Pfuschi

Steh auf und geh!

Mit einer pfingstlichen Pilgerreise unter dem Motto «Kirchen bewegen» feiern reformierte wie katholische Christinnen und Christen den 600. Geburtstag von Bruder Klaus und 500 Jahre Reformation. Die beiden Jubiläen verbinden sich zu einem ökumenischen Ereignis.

«Über Pfingsten 2017 wird ein Weg begangen, der in keinem Touristenprospekt vorkommt: Vom Ranft ins Berner Münster», freut sich Markus Buenzli-Buob, der Koordinator des Pilgerprojektes. Und er erzählt, dass er von all seinen Arbeitsorten in der Berner Kirche aus jeweils mit einer Gruppe zu Fuss in die Heimat von Bruder Klaus aufgebrochen sei. Er war als Seelsorger in den Bruder-Klaus-Pfarreien in Bern und in Biel tätig, dann in Köniz und zuletzt in Burgdorf. Im aktuellen Projekt nimmt er den Weg für einmal in entgegengesetzter Richtung unter die Füsse: In Richtung Bern ins Münster. Den gleichen Weg, den einst der historische Brief von Bruder Klaus genommen hat, den er 1482 an den Rat von Bern verfasst hatte. Die vielleicht wichtigsten Sätze darin lauteten: «Ihr sollt darauf achten, dass Ihr aufeinander hört, dabei sei Euch die Weisheit das Allerliebste, denn mit ihr verläuft alles zum Besten. Fried ist allweg in Gott – denn Gott ist der Fried. Friede kann nicht vernichtet werden, Unfriede aber wird zerstört. Darum sollt Ihr darauf bedacht sein, dass Ihr immer den Frieden im Auge behaltet, Witwen und Waisen in Schutz nehmt, wie Ihr es bisher getan habt.» Bruder Klaus mahnte in seinem Schreiben daran, dass echter Frieden nur mit Gerechtigkeit erreicht werden könne. Die inspirierende Botschaft des Bruders vom Flüeli-Ranft passt für Markus Buenzli-Buob ideal zu Pfingsten. Der pfingstliche Sturm sei wie ein Rückenwind beim Wandern. «Zu Fuss unterwegs können wir leichter Dinge verarbeiten und Neues entdecken», erinnert der Koordinator des Pilgern-Projekts.

Mit Pfingstgeist unter den Füssen

Verschmitzt meint er, wer mitmachen wolle, könne sich ja an Ostern dafür entscheiden und sich für die Wanderung vom Ranft ins Münster anmelden: «Beim Fest der Auferstehung können wir selber aufstehen und vorwärts gehen in Richtung Pfingsten.» Der Aufruf von Jesus «Steh auf und geh!» habe eine starke Motivationskraft. Schritt für Schritt einen Weg gehen, heisse sich bewegen. Das gelte auch für die Kirchen selber, die nicht stehen bleiben dürfen – daran erinnere ja auch die Reformation. Kein Wunder lautet das Motto des pfingstlichen Pilgerprojektes: «Kirchen bewegen».

Den (katholischen) Ranft und das (reformierte) Berner Münster trennten lange Zeit Welten und unterschiedliche Kulturen. Das wird schon beim Kaffee sichtbar – zwischen dem fast durchsichtigen Obwaldner oder Luzerner Kafi und dem währschaften Berner Café ist nicht nur die Farbe unterschiedlich. An Pfingsten 2017 jedenfalls sollen die verschiedenen Kulturen miteinander verbunden werden, ökumenisch eben, betont Markus Buenzli-Buob. Der Cartoon von Pfuschi auf dem Info-Blatt des Projektes zeige es an: eine Gruppe von Pilgerinnen und Pilgern bewegt Kirche. Sie steht auf Rädern, ist beweglich, bewegbar. Wer die vier Tage mitwandert, trifft auch auf die bekannten Reformatoren Martin Luther und Huldrych Zwingli, die wenige Jahre und Jahrzehnte nach Niklaus von der Flüe lebten und wirkten. Sie hatten nicht primär die Kirchenspaltung im Sinn. Zwingli etwa schätzte persönlich den Bruder Klaus ganz besonders.

Gemeinsam unterwegs

In der heutigen Zeit wird wieder sichtbarer, dass Konfession nicht vor allem aus Unterschieden zwischen der römisch-katholischen, evangelisch-reformierten und christkatholischen Kirche besteht. «Konfession» steht fürs Zeugnis geben und das Hinstehen für Frieden und Gerechtigkeit – in diesem Engagement finden sich die Kirchen und gehen gemeinsam ein Stück Weg. An Pfingsten gar mit Wanderschuhen und Rucksack – Markus Buenzli- Buob hat von seiner Pilgerausrüstung eine Foto gemacht, das sei wichtiger als ein Porträt von ihm selber, erklärt er. Er freut sich auf viele Mit-Pilgernde, die am Freitag vor Pfingsten unten im Ranft die kleine Reise beginnen. Von unten geht’s hinauf, Richtung Berner Münster, das am Pfingstmontag erreicht wird. Im Rucksack befinden sich dann die Erlebnisse von unterwegs und von den Zwischenhalten am Wegesrand und in den gastgebenden Pfarreien und Kirchen. Diesmal kommen quasi ökumenische Briefe nach Bern, entstanden auf einem speziellen Erlebnisweg.

Karl Johannes Rechsteiner

Informationen und Anmeldung (bitte rasch anmelden) zum Pilgern an Pfingsten: www.kirchenbewegen.ch  

Gästebetten gesucht
Auf dem Weg vom Ranft ins Münster macht die ökumenische Pilgergruppe Halt in Brienz, Interlaken und Thun, bevor sie am Pfingstmontag im Berner Münster eintrifft. An den Etappenorten finden zum Tagesabschluss und Morgenlob jeweils besinnliche Veranstaltungen statt. Für die Übernachtungen der Pilgerinnen und Pilger werden noch Gästebetten mit Frühstück rund um alle drei Zwischenhalte gesucht. Wer eine einfache Beherbergung anbieten kann, melde sich bitte bei pfingsten@kirchenbewegen.ch Herzlichen Dank!

5. April 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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