Teresa Berger: «wir sind alle Mitzelebrantinnen im sonntäglichen Gottesdienst.» Foto: Yale University, Institute of Sacred Music

Teresa Berger und das grosse Schweigen des Vatikans (1992)

Kennen Sie Teresa Berger? Wahrscheinlich nicht. Sie hatte ja keine Chance, sich in unserer Region bekannt zu machen. Heute lebt Berger in den USA und lehrt an der bekannten Yale University.

In Fachkreisen war die Theologin schon in den 90er Jahren bekannt. Der Fakultätsrat der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg setzte sie 1992 auf den ersten Listenplatz für den neu zu besetzenden, zweisprachigen Lehrstuhl in Liturgiewissenschaft.
Die junge habilitierte wissenschaftlerin, die in Nottingham, Mainz und Genf studiert hat und einen Doktortitel sowohl in katholischer wie evangelischer Theologie besass, hatte sich einen Namen gemacht mit Arbeiten zur Ökumene und zur Frauenforschung. welchen Ort hatten und haben Frauen in der Liturgie? welche Frauenbilder vermitteln die Gottesdienste? wie könnten sich Frauenleben und Gottesdienst zueinander verhalten in unserer Zeit?
– Spannende Fragen für mich als Fribourger Studentin. Fragen mit dem Potenzial, das Interesse an und die Sensibilität für Liturgisches bei meinen weiblichen wie männlichen Studienkollegen zu verstärken.

Doch es kam ganz anders: Teresa Berger konnte die Professur nicht antreten, da ihr der Vatikan die kirchliche Lehrerlaubnis (nihil obstat) verweigerte. Obwohl der für die Fakultät zuständige Dominikanerorden sich in Rom für sie einsetzte, kam Teresa Berger nie in Fribourg an. Auch in Bochum, in Tübingen und Bonn scheiterte ihre Berufung jeweils am Nein des Vatikans. Über die Gründe konnte man nur mutmassen, da Rom dazu schwieg.
1994 bekam die theologische Fakultät in Fribourg mit Barbara Hallensleben die erste Professorin. Doch die Verweigerung der Lehrerlaubnis wiederholte sich vielerorts und hinterliess nur Verlierer und Verliererinnen: zum einen die betroffenen Frauen, für die das Urteil einem Berufsverbot und einer Infragestellung ihrer religiöse Identität gleichkam, zumanderen die Fakultäten, deren Fachkompetenz desavouiert und deren Nachwuchsarbeit zunichte gemacht wurden.

Noch ein wort Bergers zur Liturgie: «Unser gelebtes Frauenleben ist nicht einfach dem kirchlichen Gottesdienst ‹fremd› geworden, der ja z.B. weiterhin nichts weiss von Frauen in Leitungspositionen.» Die Bedeutung eines Gottesdienstes werde von den Menschen und ihren Lebenszusammenhängen geschaffen. «Diese Leben – ihr Ringen, ihre Wahrheit, ihr Widerstand, ihre Hoffnungen – gehören zum gottesdienstlichen Leben genauso dazu wie Brot und wein, Schrift und Schweigen, priesterlicher Dienst und kirchlicher Raum.»

Angela Büchel Sladkovic


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15. Juni 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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