Trevor Noah: Farbenblind

Ein Kind, das es in der Zeit der Apartheid in Südafrika gar nicht hätte geben können: der Vater Schweizer, die Mutter Xhosa – Mischehen waren verboten. Ein Kind, das nirgends dazugehört und sich in den ersten Lebensjahren gar nicht draussen zeigen darf. Ein Aufwachsen in Armut, allein mit der Mutter und später mit einem gewalttätigen Stiefvater – wie leicht hätte diese Autobiografie eine «misery memoir» werden können! Doch Tränendrüsen drücken ist nicht Trevor Noahs Ding, der sich seit Jahren schon einen Namen als Stand-up-Comedian und Unterhalter gemacht hat.

Mit viel Witz schaut er auf das zurück, was ihn am meisten geprägt hat: seine Mutter, eine wahre Rebellin, die sich weder durch Traditionen noch Gesetze aufhalten liess. Die ihn sonntags jeweils gleich in drei Gottesdienste mitschleppte: in die Kirche der Weissen, die der Farbigen und die der Schwarzen. Die ihn auch schon aus einem Minibus schubsen musste, um ihm das Leben zu retten.

Seine Fähigkeit, sich in den vielen Sprachen Südafrikas auszudrücken und so eine Brücke zu schlagen zu den verschiedensten Menschen und Ethnien. Die Erkenntnis, dass Humor und Witz einen Zugang schaffen zu allen Gruppen, auch wenn man sonst zu keiner gehört. Denn in den Augen der Weissen war er ein Schwarzer, für Schwarze aber war er ein Weisser – nicht einmal die Überwachungskamera in einem Einkaufszentrum schaffte es, ihn eindeutig festzuhalten. Was ihn ausnahmsweise sicher vor dem Ausschluss aus der Schule bewahrte.

Eine bewegende Autobiografie, die uns tief blicken lässt in die letzten Jahre der Apartheit und die turbulente Zeit danach.

Sabrina Durante


Trevor Noah, Farbenblind.
Blessing Verlag, 2017. 336 Seiten. Fr. 28.90

24. Juni 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
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