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«und d Liebi faht neu aa»

Die Patientin sitzt in einem Lehnstuhl. In ihren Bewegungsmöglichkeiten ist sie sehr eingeschränkt, im Gespräch keineswegs. Wir finden geschmeidig einen Faden, und schon bald sagt sie: «Ich weiss schon, was diese Krankheit mir zeigt: ‹Du hast dich dein Leben lang um andere gekümmert und dich eingesetzt mit allen Kräften. Jetzt ist bist du selber dran, der du dich von Herzen zuwenden mögest mit deiner ganzen Kraft und deinem Mitgefühl›.» Und so probiere sie es jetzt, im Auf und Ab ihrer Tage, mit dieser Zuwendung.

Nach einer Radiosendung realisiere ich, dass Steff la Cheffe das Guggisberglied anders enden lässt. «Das Mülirad isch broche, mys Lyd das het es Änd.» Sie singt: «Das Mülirad isch broche, und d Liebi faht neu aa.» Sie spricht im Interview wohl von schwieriger Zeit in den letzten fünf Jahren und von Absturz, jetzt könne sie wieder lachen. Aber das sei alles Folge einer Entscheidung, nämlich: dass sie ihr Herz öffnen, dass sie mit ihrem Herz leben wolle und ihr Herz als Zentrum ihres Seins anerkennen und respektieren wolle und das so leben lernen wolle. Die Krankheit ist ungefragt gekommen. Das Lied ist zum Auferstehungslied geworden. Ich wünsche der Patientin, dass ihr Herz ihr einen Auferstehungsweg öffne.

Pfrn. Ingrid Zürcher, ref. Spitalseelsorgerin

Die Kolumnen der Spitalseelsorge im Überblick

27. Juni 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 27-28
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