Utøya 22. Juli. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der fiktiven Figur Kaja. Foto: zVg

UTØYA 22. JULI

Am 22. Juli 2011 wurden in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya 69 Jugendliche von einem rechtsextremistischen Attentäter ermordet. Acht weitere Opfer hatte er zuvor bei einem Bombenanschlag in Oslo getötet. Kann man das verfilmen?

Der Regisseur Erik Poppe hat es versucht. Er tut es sehr sensibel. Es gibt keine Grenzüberschreitungen. Poppe hat das Leid der Menschen mit diesem Film nicht missbraucht, es bleibt vieles der Vorstellungskraft überlassen.
Dennoch bleiben ethische Fragen offen, und ein Erkenntnisgewinn will sich nicht einstellen. Der Film bleibt ein Versuch.

Erik Poppe beginnt mit dokumentarischen Szenen aus Oslo. Dann wechselt er direkt auf die Insel. Die Kamera begleitet die 19-jährige Kaja, die hier mit ihrer jüngeren Schwester ein paar Ferientage verbringt. Es gibt Streit. Plötzlich ist der erste Schuss zu hören. Mit diesem Schuss beginnen quälend lange 72 Minuten, in einer einzigen Einstellung gedreht, aus der Perspektive der Opfer. Ja, man sieht Leichen, aber aus der Distanz. Die Figuren im Film sind alle fiktiv.

Vorab hat Erik Poppe aber intensiv mit überlebenden Jugendlichen zusammengearbeitet, sich ihre Geschichten angehört. Er hat sie zurate gezogen und ihnen den fertigen Film gezeigt, bevor er ihn öffentlich präsentierte. Er sieht den Film «als Teil des Heilungsprozesses», für die Betroffenen, für Norwegen.

Andreas Krummenacher/com

Der Film läuft ab 13. September im Kino.

 

 

22. August 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 35-36
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