Sehnsucht und Suche nach dem wahren König. Foto: zVg.

Vertrauen

Ich sagte zum Engel, der an der Schwelle des Jahres stand: «Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fusses der Ungewissheit entgegengehen kann.» Aber er antwortete: «Geh nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes!» «Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg», und dieser Spruch aus China erinnert uns an den Aufbruch der Heiligen Drei Könige. Sie folgen ihrem leuchtenden Stern ins Ungewisse. Sehnsucht war ihre alleinige Triebfeder. Sie sind drei Könige und doch vermag all ihr Reichtum und Prunk ihre innere Sehnsucht nach dem wahren König nicht zu befriedigen. Ihn wollen sie suchen, um Ihm zu huldigen, um Ihn anzubeten und um Ihn von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Getrieben durch ihre Sehnsucht finden sie unterwegs zueinander, um ihren unsicheren Weg gemeinsam fortzusetzen und ihrem Leitstern zu folgen.

Sie suchen dieses Königskind zuerst im Palast des Herodes, finden Ihn aber nicht im Reichtum, sondern abgelegen in Bethlehem in einer armseligen Grotte in grösster Armut. Und sie knien nieder – sie die Grossen – vor dem Kleinsten, überreichen Ihm ihre kostbaren Gaben: Weihrauch, Gold und Myrrhe. Sie sind am Ziel angelangt.

Erinnern uns diese drei Weisen aus dem Morgenland nicht an unser eigenes Leben? Sind wir nicht auch oft Getriebene unseres Lebens mit einer unstillbaren Sehnsucht nach dem wahren Glück. Der vorweihnächtliche Stress mit all seinen Forderungen und Vorbereitungen für das grosse Fest ist gottlob wieder vorbei. Das feine Essen und die ausgepackten Geschenke haben uns Freude bereitet, aber nicht befriedigt.

Wir suchen mehr.

Seit unserer Taufe sind auch wir Königskinder, dem inneren Leitstern auf unserem Lebensweg folgend. Auch wir suchen das Kind in der Krippe, den wahren König unseres Herzens. Er lässt sich auch heute nicht in den Palästen unseres Reichtums finden, nicht im lauten Lärm und Genuss, sondern in der Stille. Er lässt sich finden in der Armut unseres Kleinseins und unserer Ohnmacht, unserer Einsamkeit und Ungewissheit, sogar in unserer Finsternis. Im Glauben dürfen wir Ihn anbeten, Ihm unsere Gaben darbringen, unsere Gebete (Weihrauch), unsere Arbeit und guten Werke (Gold) und unsere Leiden und Schmerzen (Myrrhe).

Und das Jesuskind wird uns anstrahlen, mit seiner Liebe überschütten und unsere Sehnsucht stillen. In diesem Sinne ein gutes, lichtvolles neues Jahr.

Béatrice Lüscher-Fischer, Pastoralraum Emmental

30. Dezember 2019