«Worauf kommt es letztlich und wesentlich im Leben an?» Marco Bächli (1987) Theologiestudent, Zürich

Vom Einsgerichtetsein

Dieser Vers steht in einem der schönsten Texte der Bergpredigt und birgt in sich den ganzen Ernst und die wundersame Verheissung des Evangeliums. Worauf kommt es letztlich und wesentlich im Leben an? Was ist wirklich wichtig, was nicht? Und, auch so wird man heute fragen müssen: Was macht einen Menschen krank – und was heilt ihn, befreit ihn aus ängstlicher Sorge und Entfremdung? Darauf versucht Jesus in all seinen Worten und Taten eine Antwort zu geben; doch diese fällt so radikal aus, dass sie heutige wie damalige Hörer der Botschaft überfordern muss.

Was müsste es heissen: wesentlich nur nach der Wirklichkeit Gottes zu suchen, einsgerichtet zu sein auf dieses Wesentliche, das in einer von Leistung, Lärm und Konsum beherrschten Welt schlechterdings keinen Platz hat? Geht es doch – versteht man Jesu Forderung recht – offenbar noch nicht einmal darum, sich hin und wieder auch etwas Zeit für «die wichtigen Dinge im Leben» zu nehmen; nein: Hier wird eindringlich dazu aufgerufen, alles «weltliche» Sorgen hinter sich zu lassen und sich nur mehr um «die Schätze im Himmel» (Mt 6,20) zu kümmern.

Denn sind es nicht schon die selbstverständlichsten und alltäglichsten Sorgen und Pflichten, welche den Menschen in einer Weise einspannen, die das Sehnen und Suchen nach einer anderen Wirklichkeit, nach einem anderen Leben – jenseits des Funktionierens – kaum mehr zulässt? Diese Sehnsucht wieder zu lernen, ist heute religiös die vielleicht wichtigste Aufgabe; denn nur von der Sehnsucht her vernehmen wir die Forderung Jesu als Ruf im Innersten unseres Wesens: ein Ruf, der uns alles abverlangt – und doch auch alles verheisst; nur von der Leidenschaft der Sehnsucht her finden wir, als je Einzelne, eine Antwort auf die Frage, was es heisst, wesentlich nur noch das Königtum Gottes zu suchen und alles andere hinter sich zu lassen.

20. April 2011