Christine Schönbächler in ihrem Nähatelier. Foto: zVg.

Die Masken sind aus Leinen, einem natürlichen Antiseptikum. Foto: zVg

Von der Kostüm- zur Maskenschneiderei

Ein Schneideratelier in Solothurn hat während des Lockdown auf die Produktion von Gesichtsmasken umgestellt. Ein Franken pro verkaufte Maske ging an Caritas Bern.

von Sylvia Stam


«Während sieben Wochen war das eine Riesensache», sagt Meinrad Schönbächler. Rund 2500 Masken haben seine Frau Christine Schönbächler-Kiener und sechs weitere Schneider*innen seit Beginn März genäht, bis zu zehn Stunden am Tag. Die Masken sind doppelschichtig, aus Leinen, teilweise kombiniert mit Baumwolle, einzeln angefertigt, in verschiedenen Farben und Mustern. Die Bestellungen seien aus der ganzen Schweiz gekommen, darunter auch grössere Aufträge von Restaurants, einer Zaunfabrik oder einer Metzgerei, erzählt der pensionierte Kriminalpolizist Schönbächler, der als Lieferant, Coach, Administrator, aber auch als Mediensprecher fungiert. Er erwähnt ein Restaurant im Kanton Zürich, dessen Innenausstattung in blau-weiss gehalten sei. «Für sie haben wir Masken in diesen Farben hergestellt.»

Atelier musste schliessen

Christine Schönbächler, die normalerweise in ihrem Atelier «Création Christine» in Solothurn Eigenkreationen, historische Kostüme und Showkleider herstellt, habe infolge der Corona-Pandemie ihr Atelier schliessen müssen. «Die Anregung zu den Gesichtsmasken kam von einer Kundin, die Ärztin ist. Sie hat uns auch den Tipp gegeben, Stoff- statt Gummibänder zu verwenden. Das schmerzt weniger an den Ohren.» Auf Wunsch hätten sie diese aber auch durch Gummibänder ersetzt, wenn das Zubinden Schwierigkeiten bereitete. Anfang März hätten sie mit der Produktion gestartet. Nach einem Beitrag in der «Solothurner Zeitung» am 1. April sei die Nachfrage rasant auf 1000 angestiegen. Aus technischen Gründen musste ein neuer Online-Shop eröffnet werden.

Dies nahmen Schönbächlers zum Anlass, in der zweiten Produktionsphase mit dem Erlös noch jemanden zu unterstützten: Ein Franken pro Maske ging an Caritas Bern. «Es war eine Blitzidee des Schwiegersohns», sagt Schönbächler. Weil seine frühere Sekretärin nun bei Caritas Bern arbeite, fiel die Wahl auf das katholische Hilfswerk. Die Spende wurde an die Bedingung geknüpft, dass sie Menschen in der Schweiz zugutekäme, heisst es dazu auf ihrer Website.

In der zweiten Produktionsphase sind laut Schönbächler nochmals 1500 Masken verkauft worden, und das Schneideratelier habe 1500 Franken an Caritas Bern überwiesen. Das Hilfswerk bestätigt dies auf Anfrage. Das Geld fliesse in den Fonds der «Unterstützungsaktion Corona», der Menschen aus dem Kanton Bern mit Geld oder Einkaufsgutscheinen unterstützt, die infolge der Pandemie in Not geraten sind.

Natürliches Antiseptikum

Für die Masken wurde Leinen gewählt, weil dies ein natürliches Antiseptikum sei. Es könne bei über 60 Grad gewaschen werden, heisst es auf der Webseite des Ateliers. Es stammt teilweise aus Leintuchbeständen, die bei älteren Menschen auf Estrichen lagerten. Nachdem sie einen Online-Aufruf platziert hätten, sei er durch die halbe Schweiz gefahren, um die Ware abzuholen, berichtet Schönbächler. Die Masken werden in Dreiersets zu 64 Franken verkauft. «Der Preis war immer wieder ein Thema, auf Facebook gab es auch negative Reaktionen», sagt Schönbächler. Doch er hält dagegen: Material, Handarbeit, Zeit, Administration, das alles koste Geld. Im Hintergrund seien in Spitzenzeiten nebst den Schneider*innen nochmals drei Personen in der Administration tätig gewesen, auch die Lehrtochter Andrea Hufschmid habe aus dem Home-Office tatkräftig mitgewirkt. Die Hälfte des Verkaufspreises ging laut Christine Schönbächler an die Schneider*innen. Alle hätten damit ihre finanziellen Einbussen während der Corona-Zeit lindern können, und das Atelier musste nicht ganz geschlossen werden.

Inzwischen hat das Atelier seine Maskenproduktion reduziert. Zurzeit wird der Lagerbestand abgebaut. Seine Frau könne inzwischen keine Maske mehr sehen, sagt Schönbächler schmunzelnd. Dennoch bereuten sie die Erfahrung nicht und denken bereits an Neues, etwa an die Produktion von Leinentaschen, die man als Einkaufstaschen mehrfach verwenden kann. An den Spenden für Caritas halten sie fest. «Das ist in unserer Mission fest verankert.»


Linktipp
www.creation-christine.ch

 

 

24. Juni 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 14
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