Marienkirche. Foto: Herbert Knecht

Johanneskirche. Foto: Herbert Knecht

Markuskirche. Foto: Herbert Knecht

Von Leucht- und Kirchtürmen

«Mit der Beleuchtung der drei Kirchtürme während der Adventszeit wollen die Kirchgemeinden im Berner Nordquartier, St. Marien, Johannes und Markus nicht nur zur weihnächtlichen Stimmung beitragen. Das Erstrahlen in einer gemeinsamen Farbe soll auch gegen aussen unsere bereits jetzt starke Zusammenarbeit und die angestrebte Stärkung unserer Gemeinschaft über die Konfessionen hinweg unterstreichen», sagt B. Stammbach, Präsident des Kirchgemeinderats Markus.

Vielen Menschen ist aufgefallen, dass die Fassade der Johanneskirche und die Turmspitzen der Marien- und Markuskirche abends rot angestrahlt werden. Nicht alle haben im «reformiert» oder im «pfarrblatt» nachgeforscht, warum die Kirchen leuchten. Vielleicht spricht das Zeichen ja für sich selber. Einige werden sich denken, dass es mit dem Advent zu tun hat oder mit dem Samichlaus. Andere werden feststellen, dass alle drei Kirchen leuchten, und erst noch in der gleichen Farbe – und annehmen, dass das kein Zufall ist.

Ja, es ist ein Signal für das Projekt «Oekumene Bern-Nord», das am 1. Januar 2018 begonnen hat. Die drei Kirchgemeinden im Nordquartier haben sich das Ziel gesetzt, zu einer ökumenischen Gemeinschaft zu werden und in Zukunft als eine Kirche aufzutreten und zu handeln.

Ist es nötig, dafür ein Projekt zu lancieren? Werden sich die Kirchen nicht sowieso – schon wegen der schwindenden Mitgliederzahlen – über kurz oder lang zusammenschliessen?

Die Erfahrung zeigt, dass die ökumenische Zusammenarbeit zwar schon lange funktioniert, aber immer noch als Ausnahme und nicht als Regel. Ökumenische Gottesdienste und Veranstaltungen sind immer noch etwas Besonderes und Zusätzliches – im Normalfall plant und arbeitet jede Gemeinde für sich, denkt sich selber aus, was sie machen muss, um attraktiv zu sein, um wahrgenommen zu werden. Und so läuten – im gleichen Quartier - jeden Sonntag die Glocken dreier Kirchen um die gleiche Zeit zu drei separaten Gottesdiensten.

Die Mitarbeitenden der drei Gemeinden haben vor zwei Jahren den Anstoss gegeben zu diesem Projekt. Sie haben sich gesagt, dass es Zeit sei, einen grossen Wurf zu machen, von der Einheit aus zu denken, vom Ganzen aus das Einzelne zu betrachten und zu gestalten. Kurz: wir gehen davon aus, dass wir zusammen die eine Kirche im Nordquartier sind. Wir nehmen Abschied von der Meinung, als einzelne mit einzelnen Schritten gelange man von selbst zur Einheit – diesen Versuch haben wir die letzten 50 Jahre gemacht.

Aus diesem Anstoss ist das Projekt entstanden. In den drei bis vier Phasen des Prozesses wird die Zusammenarbeit in allen Bereichen durchdacht und konkretisiert. Vorschläge werden erarbeitet zu Liturgie, KUW/Religionsunterricht, Kinder-Jugend-Familienarbeit, Seniorenarbeit und Diakonie. Auch die Frage der Standorte und der Räume wird angegangen.

In öffentlichen Herarings im Februar und Mai 2019 werden die Vorschläge diskutiert und weiter entwickelt. Als Symbol für die ökumenische Bewegung wird ein Schiff verwendet – so hoffen wir, dass die Kirchtürme wie Leuchttürme wirken und das Schiff ans Ziel geleiten.

Manfred Ruch,  St. Marien Bern

Lesen Sie auch im Anzeiger für das Nordquartier 22 vom 13. Dezember 2018 (PDF)

7. Dezember 2018
erstellt von «pfarrblatt» online
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