Eine bald 750-jährige Geschichte in Bern: die Französische oder Prediger-Kirche, früher beim Dominikanerkloster, und die zugehörige Predigergasse (unten). Fotos: zVg

Eine bald 750-jährige Geschichte in Bern: die Französische oder Prediger-Kirche, früher beim Dominikanerkloster, und die zugehörige Predigergasse (unten). Fotos: zVg

Warum gibt es in Bern die Predigergasse?

Lateinisch heissen sie «Ordo predicatorum», abgekürzt OP – die Prediger oder Dominikaner sind eine der grössten Ordensgemeinschaften. Sie gründeten schon im frühen Bern ein Kloster. Die heutige Französische Kirche bei der Predigergasse zeugt davon.

Vor 800 Jahren, 1215/16, wurde in Toulouse der Dominikanerorden gegründet. Das Ziel der Gemeinschaft: in Armut den katholischen Glauben predigen inmitten von Irrlehren. Die Prediger hielten zuerst wenig von der militärischen Durchsetzung des rechten Glaubens und von den prunkvollen Kirchenoberen. Als Missionare setzten sie primär auf das Wort Gottes und eben auf die Predigt. In Bern – damals kirchlich noch unter Kontrolle von Köniz – wurde der junge Orden in dem erst wenige Jahrzehnte alten Städtchen willkommen geheissen. Die Dominikaner durften 1269 ausserhalb der Ringmauern der Stadt ein Kloster gründen, widmeten sich Religionsunterricht und Predigten und bauten bald ihre Kirche. Die heutige Französische Kirche ist damit die älteste in der Bundesstadt. Wie andere radikale arme Bewegungen ihrer Zeit gewann der Orden rasch Macht und Einfluss. Er wurde theologisch führend, liess sich bei Universitäten wie Bologna oder Paris nieder, frühe Mitglieder waren Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin, Albertus Magnus oder Meister Eckhart. Dominikaner übernahmen auch Aufträge der kirchlichen Inquisition, verbreiteten Angst und Schrecken und wurden darum als «Domini canes», «Hunde des Herrn»,beschimpft. Auch Berner Mönche verurteilten Unglückliche auf den Scheiterhaufen, etwa Anhänger der Waldenser oder Albigenser. Die Reformation brachte 1528 das Ende der Klöster in Bern. Chor und Altarhaus der Predigerkirche wurden in ein Kornhaus umgewandelt, der Gottesdienst wird seither reformiert gefeiert, ab 1623 auch französisch. So trafen sich hier die reformierten Hugenotten, die aus Frankreich fliehen mussten. Und weil sie zudem der französischsprachigen Kirchgemeinde dient, heisst sie heute Französische Kirche und fasziniert auch durch ihre wunderbare Akustik. Geblieben ist ebenso die Predigergasse – ihr Name erinnert also an die bald 750-jährige Geschichte des Dominikanerordens.

22. April 2015