Ein Meer von Bischofsmützen am Weltjugendtag in Köln 2005. Eine so grosse Auswahl gibt es in Chur nicht. Foto: KNA-Bild

Was geht Chur die Berner*innen an?

Die Gläubigen des Bistums Chur sind nicht zu beneiden: Seit mehr als 30 Jahren kam die Diözese nicht mehr zur Ruhe. Vor der lang erwarteten Bischofsernennung brodelt es gehörig. Was kümmert das die Katholik*innen im Kanton Bern, der zum Bistum Basel gehört?

Von Eugen Koller*

Mit gutem Recht könnten sich die katholischen Berner*innen glücklich wähnen, dass in ihrem Bistum Basel mit der Bistumsleitung – an der Spitze Bischof Felix Gmür – Ruhe und eine recht gute kirchliche Organisation herrscht. Der Basler Bischof, sein Weihbischof Denis Theurillat und seine Mitarbeitenden der Kurie produzieren höchst selten negative Schlagzeilen, die schweizweit zu reden geben.

Allenfalls die Kantone Luzern und Zug an ein neu zu gründendes Bistum Zentralschweiz abzutreten, stiess auf gar keine Gegenliebe. Die Basler Diözesanen sind zufrieden mit ihrem Bistum und dem Einbezug der Gläubigen in diözesanen Gremien und vor allem auch mit dem weltweit fast einzigartig geordneten Bischofswahlrecht. Sie wissen, was sie haben, und möchten nichts anderes. Das duale System (Landeskirchen und Pfarreien) funktioniert und neue Organisationsformen in den Pfarreien mit den Pastoralräumen in den Bistumsregionen sind die Folge von mangelndem kirchlichem Personal und dem Gebot nach regionaler Zusammenarbeit.

Und das Bistum Chur mit der Urschweiz, dem Kanton Zürich, Glarus und Graubünden ist wo weit weg, dass es die Berner*innen nicht kümmern muss, wer hier das hierarchisch oberste Ruder übernimmt?

Einspruch: Kürzlich liess Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ: Zusammenschluss der Kantonalkirchen) verlauten: «Natürlich kommt es in der kleinen Schweiz mit sechs Diözesanbischöfen auf jeden einzelnen Bischof und auf ihr Zusammenwirken in der Bischofskonferenz an.» Die Bischofskonferenz ist so stark, wie sie miteinander kooperiert. In den letzten Jahren stellte sich Bischof Vitus Huonder mit seinen konservativen Ansichten und Meinungen immer wieder quer und musste einige Male von der Bischofskonferenz wegen seinen Äusserungen und pastoral-moraltheologischen Veröffentlichungen ins Gebet genommen werden. Das bremste das einheitliche Auftreten der Bischofskonferenz in der Öffentlichkeit. Das kann nicht im Interesse der Basler Bistumsangehörigen sein. Und den einzelnen Bischöfen ist es verwehrt, sich in die Bistumsangelegenheiten anderer Diözesen einzumischen.

Zumal veröffentlichen Mitglieder der Churer Kurie (inklusive Weihbischof Marian Eleganti) Meinungen und Ansichten, die schweizweit zu Aufruhr und Kopfschütteln veranlassten und so die schlechte Presse der Kirche befeuerten. Das ist für die Schweizer Kirche abträglich. Schlechte Nachrichten über den Churer Bischof, seine Priester und Beauftragten sind in den meist nicht mehr kirchenfreundlichen Medien ein gefundenes Fressen.

Nach dem paulinisch-biblischen Bild leidet der ganze Leib, wenn ein Glied an ihm leidet. Wenn also das Bistum Chur seit Jahrzehnten ächzt und unter einer bischöflichen Führung, die sich absolutistisch-monarchisch gebärdet, leidet, erfordert das in meinen Augen Solidarität. Ich bin mir bewusst, dass diese nicht so einfach zu leben ist. Immerhin können Sie jene unterstützen, die sich für eine glaubwürdige und überzeugende christliche Gemeinschaft und deren Führung im Bistum Chur einsetzen. Und nicht zuletzt kann hoffentlich das Gebet auch im Bistum Chur Berge versetzen. Es wäre wieder einmal an der Zeit.

  

 


*Eugen Koller, Redaktor Pfarreiblatt Uri Schwyz und Psychiatrieseelsorger in Kilchberg ZH.
Foto: zVg


16. Juli 2020
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