Was steht auf Ihren Wegweisern fürs neue Jahr? Foto: Raul Petri, unsplash.com

Wegweiser zum Leben

Seit einiger Zeit hängt in meinem Unterrichtszimmer ein Bild mit Wegweisern. Doch darauf stehen keine Ortsangaben. Die Wegweiser zeigen in verschiedene Richtungen. Rechts sind sie blau, das heisst: Alpiner Bergweg, leichte Kletterpartien. «Rückschläge ertragen!» steht als Zielort. Na ja. Mal schauen, was da noch steht. «Aus Fehlern lernen!» Ok, ist ja eigentlich selbstverständlich – oder nicht? Jetzt kommen die etwas einfacheren Wege, Markierung rot-weiss, normaler Bergweg: «Ziele setzen». Super – das ist doch mal eine klare Ansage. Ziele setzen ist gut. Kurz- und langfristige, solche für die nächsten Minuten und solche, welche über die nächsten Jahre reichen. «Grenzen überwinden!» Ja, ich kann immer wieder versuchen, meine Grenzen zu erweitern. Wie? Indem ich bereit bin, jederzeit dazu zu lernen. Und wenn ich nicht mehr kann, an meine Grenzen stosse? «Positiv denken!», leuchtet mir der einfache Wanderweg entgegen. Und der zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Aha, also: sich umwenden und «Überblick verschaffen». Dann kann ich vielleicht wieder «Auf meine Stärken vertrauen» und «Etwas wagen».

Wir stehen an der Schwelle zum neuen Jahr. Vieles ist passiert im vergangenen Jahr, Gutes und Schlechtes, Freudiges und Trauriges. Sicher haben wir uns alle etwas vorgenommen für das neue Jahr mit der schönen Zahl 2020. Wir werden dafür arbeiten und uns mit aller Kraft anstrengen, diese Ziele zu erreichen. Doch sollte uns bewusst sein, dass wir letztlich nicht alles «machen können». Jochen Klepper hat 1938, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, «Wegweiser»-Worte für das neue Jahr gedichtet: «Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen. Nun von dir selbst in Jesus Christ die Mitte fest gewiesen ist, führ uns dem Ziel entgegen. Der du allein der Ew'ge heisst und Anfang, Ziel und Mitte weisst im Fluge unsrer Zeiten: Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.»

 

 

Ariane Piller
… ist Pianistin, Organistin, Kantorin, Chorleiterin und Musiklehrerin in und um Bern. Auftritte führen sie quer durch Europa.
Illustration: schlorian

 

 

 

«Wir nehmen uns die Zeit» im Überblick

 

 

11. Dezember 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 26
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